Sport und Bewegung.

Was geht dir durch den Kopf, wenn du diese 2 Begriffe hörst?

Fühlst du dich ängstlich, angespannt, oder sehnst du dich im Moment vielleicht gerade danach, dich zu bewegen? Fühlst du dich schlecht/schuldig, weil du weißt, dass du deinem Körper gerade mehr abverlangst als nötig, weil du Kalorien verbrennen möchtest?

Hast du ein Loch im Magen, weil du den Sport als Selbstbestrafung gebrauchst? Fühlst du dich trotzdem dazu verpflichtet, dein Sportprogramm durchzuziehen, weil du sonst ein schlechter Mensch bist und das Essen nicht verdient hast? Solche Gedanken in der Art…?

Deine Reaktion und dein Bauchgefühl sagt schon Vieles zu deiner Beziehung zum Sport aus.

Leider gibt es derzeit keine pauschalen Empfehlungen für das Bewegungspensum bei Essgestörten, die sich in der Genesung befinden. Wir befinden uns hier in einer Grauzone, in der Experten, Therapeuten und Ärzte lediglich Empfehlungen geben können.

Sicher hast auch du schon gehört, dass du besser moderat oder am besten gar nicht mehr Sport treiben sollst.

Dieses Thema sollte keine Grauzone mehr bleiben. Es sollte glasklar sein:

Jemand, der von einer restriktiven Essstörung heilen möchte, sollte keinen Sport treiben.

Es ist ein Symptom der Krankheit. Es ist zwanghaft. Es ist eine Zwangsstörung!
(
Diese Studie befasste sich mit dem Zusammenhang der beiden Verhaltensstörungen).

Mittels Sport zu kompensieren ist ähnlich dem Erbrechen, mit dem Unterschied, dass der Vorgang gern “verdeckt” wird und durch die “positiven” Aspekte schön geredet wird (gut für den Körper, verbessert die Laune / das Körpergefühl usw.)

Doch würde ein moderates Bewegungsverhalten funktionieren, würde man auch Bulimikern raten, nur noch mäßig zu erbrechen. Dieser Ratschlag ist also ziemlich unsinnig und auf Dauer nicht umsetzbar.

Weil Bewegung für die allgemeine Bevölkerung als gesundheitserhaltende Maßnahme angesehen wird, sehen viele Betroffene nicht das Problem dabei.
Nicht nur der Sport, sondern auch alle anderen Arten der Bewegung sind kritisch, vor allem bei magersüchtigen und untergewichtigen Patienten. Für eine Person mit einer Essstörung kann es zwanghaft werden, mit dem Hund spazieren zu gehen oder das Haus von oben bis unten sauber zu machen. Sie gehen zu Fuß, statt das Auto zu nehmen, erlauben sich nicht, sich hinzusetzen und zappeln ständig durch den Tag.

Bei der Genesung steht die Wiederherstellung eines gesunden Gewichts im Vordergrund. Dies bedeutet in erster Linie auch, alle zwanghaften Bewegungen und Übungen bis dahin einzustellen. Für einen begeisterten Sportler kann dies zu schweren psychischen Traumata führen. Doch ist der Sport letztlich lebensbedrohlich oder wird die Vermeidung mehr schaden als nützen?

Motivation Gewichtsreduktion

Abnehmen und Zunehmen ist ein komplizierter Bereich und viel komplexer als nur Kalorien rein, Kalorien aus. Im Wesentlichen zählen die verdauten Nährstoffe und die vom Körper verbrauchte Energie. Die Voraussetzung dafür ist ein gesunder Stoffwechsel und eine gesunde Darmflora/ ein funktionierender Darm. Dieses muss also als erstes sichergestellt werden, bevor regelmäßig Sport getrieben wird.

Das wichtigste am Sport ist nämlich, dass er sich für dich angenehm und “richtig” anfühlt. Für mich vermittelt beispielsweise das Radfahren ein Gefühl der Freiheit. Es ist mein persönliches Mittel, um mit der Umwelt in Verbindung zu treten. Sobald ich auf meinen Drahtesel steige und die Musik laut aufdrehe, zaubert es mir jedes Mal ein Grinsen ins Gesicht.

Motivation Depressionen reduzieren

Sich mental besser zu fühlen, mag die ursprüngliche Motivation sein, aber meiner Erfahrung nach, hat diese Wirkung im Laufe der Zeit nicht mehr Bestand. Der Sport gibt uns vielleicht immer noch ein besseres Gefühl, aber nicht auf die gleiche Art und Weise. Er fungiert eher als kurzfristige Ablenkung von dem Essproblem und allen anderen Problemen – eine Art Flucht, ohne wahre Freude dahinter. Ähnlich, wie wenn du aufstehst und dich anziehst, weil es notwendig ist. Klar fühlst du dich dann besser, als wenn du im Bett bleiben würdest…

Eiskalter Entzug

Für viele ist der eiskalte Entzug das Schwierigste. Sie haben ihr Leben und ihre Identität rund um das Training aufgebaut, oder sind sogar selbst Fitness-Trainer und verbringen den gesamten Tag im Fitnessstudio.

In diesem Fall funktioniert es nicht, weiterhin ins Studio zu gehen und zu versuchen, nicht zu trainieren. Die Essstörung wird laut aufschreien und dich als Versager betiteln, wenn du so “faul” ist. Sie möchte dich gefangen halten in den zwanghaften Verhaltensweisen.

Ein Alkoholiker wird in einer Kneipe auch nicht trocken bleiben…

Das Leben besteht nicht nur aus Sport

Mach dir bewusst, dass wir Menschen im Laufe des Lebens mehreren Jobs nachgehen, andere Interessen entwickeln und stetig wachsen (wenn du es zulässt). Du selbst entscheidest, ob du neue Pfade erkundest, oder weiterhin im Teufelskreis verweilst.

Was bedeutet das für die Genesung?

Theoretisch ist es möglich, auch mit Sport ein gesundes Gewicht zu erreichen. Aus diesem Grund argumentieren viele Menschen, dass sie nicht aufhören müssen, Sport zu treiben, ABER:

Gesund bist du nicht, wenn dein gesundes Gewicht wiederhergestellt ist, sondern wenn dein Essverhalten nicht mehr an Bedingungen geknüpft ist. Eine vollständige Genesung ist die Fähigkeit, bedingungslos und ohne Angst zu essen. Um bedingungslos essen zu können, musst du in der Lage sein, zeitweise mit dem Training aufzuhören und dabei nicht abzunehmen oder die Kalorien einzuschränken. Wenn du derzeit die Kontrolle darüber hättest, würde dich das Thema nicht aus den Bahnen werfen und Angst erzeugen. Also wo stehst du derzeit wirklich, wenn du ehrlich zu dir bist?

Ich weiß, es ist nicht fair, aber du musst aufhören. Es gibt so viel mehr im Leben. Um dies später genießen zu können, musst du dich JETZT ausruhen.

4 Wege, um ein Gleichgewicht zu finden und Frieden zu schließen:

1 – Lasse von alten Überzeugungen los.

Viele von uns, die eine Essstörung gehabt haben, verbinden Sport mit einer Gewichtsabnahme und Kontrolle. Schließe Frieden, indem du alles, was du über Sport wusstest, über Bord wirfst. Öffne dich für eine neue Beziehung zu dir. Wann immer dir zwanghafte Gedanken in den Sinn kommen, sage dir selbst, dass du jetzt loslassen kannst.

2 – Sei neugierig.

Probiere neue Bewegungsarten und Aktivitäten, die Spaß machen könnten. Achte auf deine Motivation. Gedanken wie „müssen“ und „sollten“ in Verbindung mit dem Sport, sind ein Beweis dafür, dass du es nicht aus vollem Herzen tun möchtest. Wenn das so ist, probiere etwas anderes! Eine neue Aktivität pro Woche reicht aus.

3 – Höre auf deinen Körper.

Ok Freunde, hier ist die große Aufgabe: Finde dein Gleichgewicht, indem du aufhörst, wenn dir dein Körper sagt, dass du müde bist.

Wenn du immer noch mit einer Essstörung zu kämpfen hast, stelle einen Timer ein, aber nur, nachdem du dich mit einer professionellen Unterstützung auf ein geeignetes Pensum geeinigt hast.
Beginne mit einem langsamen, zwanzigminütigen Spaziergang mit einem Freund. Besser noch: übe achtsames Gehen in der Natur und bewerte deine Umgebung.

4 – Sei ehrlich zu dir selbst.

Hast du dir selbst schon eingestanden, dass dein Verhältnis zum Sport alles andere als entspannt ist? Ist dir bewusst, dass du dieses Verhältnis genauso wie das Essproblem behandeln musst? Der Schlüssel zum Gleichgewicht ist es, brutal ehrlich mit dir selbst und deinen Absichten zu sein. Alles, was extrem ist, führt in ein Ungleichgewicht. Handelst du nach den Forderungen der Essstörung, ist das Teil der Krankheit und nicht gesundheitsfördernd!

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Bis bald,

deine Dani von Recoverybuddy