Viele von uns fühlen sich tagsüber unter Kontrolle, leiden aber nachts an unkontrollierbaren Essattacken und können sich nicht erklären, warum. Oftmals sind die nächtlichen/abendlichen Anfälle diejenigen mit den größten Ausmaßen. Aus diesem Grund sind sie besonders belastend für viele Betroffene.

Einer der Hauptgründe dafür ist schlichtweg der Hunger. Wenn du das Frühstück ausgelassen hast, Nahrungsmittelgruppen meidest, oder den ganzen Tag nur Salat und Gemüse isst, stehen die Chancen gut, dass nachts die Heißhungerattacken folgen. Der Körper ist ausgehungert und schreit nach Nahrung.

Der erste Schritt, dieses Muster zu durchbrechen, wäre also, sicherzustellen, dass du tagsüber genügend ausgewogene Nahrung zu dir nimmst, um den übermäßigen Hunger in der Nacht zu vermeiden.

Aber ganz so einfach ist das nicht. Denn: wenn wir nicht körperlich hungrig sind, dann sind wir emotional hungrig und emotionaler Hunger ist nie über das Essen zu stillen.

Es geht darum, was wir mit dem Essen vermeiden wollen.

Für manche von uns ist das nächtliche Essen eine einfache Art und Weise, die Gefühlslage zu verändern. Oder mehr noch, Gefühle zu betäuben, damit wir unangenehme Gefühle nicht spüren müssen.

Der Abend ist die Zeit, in der viele von uns zu viel essen, weil wir emotional (und manchmal auch körperlich) erschöpft sind. Für viele ist dies nämlich der erste Zeitpunkt des Tages, um wirklich nachzudenken. Wir sind nicht mehr beschäftigt, haben im besten Fall unsere Aufgaben erledigt, uns um die Familie/den Partner und den Job gekümmert… Es geht nur noch um dich.

Wie überwindest du dann das nächtliche Essen?

Zunächst einmal wäre es wichtig, dir selbst ein paar Fragen zu stellen.
Die einzige Möglichkeit, das übermäßige Essen zu überwinden, besteht darin, die Ursache unseres Hungers zu ergründen.
Bei dieser Art von emotionalem Hunger geht es weniger um das Essen als vielmehr darum, was das Essen in dieser Situation ersetzt.

Diese Fragen helfen dir, die Perspektive zu ändern und den wahren Ursprung des Hungers zu finden.

Was bedeutet die Nacht für mich?
Bin ich einsam?
Wünschte ich, ich wäre mit einem Partner zusammen?
Fürchte ich einen weiteren Arbeitstag?
Habe ich etwas, worauf ich mich freuen kann?
Bin ich zur Zeit überfordert?
Habe ich mir zu viele Aufgaben auferlegt?
Wann habe ich das letzte Mal wirklich Spaß gehabt?
Bin ich gelangweilt?
Bin ich intellektuell herausgefordert/unterfordert?
Macht mich mein Partner noch einsamer, weil die Bindung zwischen uns nicht mehr aufrecht ist?


Wenn du dir die obigen Fragen stellst, wirst du herausfinden, warum du essen willst und das ist entscheidend.

Tief in unserem Inneren können wir den wahren Grund sogar schon kennen (auch wenn wir ihn vielleicht nicht akzeptieren und annehmen wollen). 

Der wahre Grund bildet jedoch nur die Spitze des Eisbergs, wenn es darum geht, emotionales Essen zu überwinden.

Meine Erfahrung

In meinen schlimmsten Zeiten der Essstörung lebte ich allein. Ich kam also jeden Tag nach der Arbeit in eine leere Wohnung zurück. Auch mein geliebtes Haustier schaffte es nicht, mich aufzuheitern. Die Einsamkeit zog mich in einen dunklen Sumpf und ließ mich nicht los. NIE gestand ich mir ein, dass ich:

einen Freund/Freunde brauchte.
Trost brauchte.
Meistens brauchte ich einfach nur eine Umarmung oder jemanden, der mir zuhörte oder mich ablenkte.

Aber diese Dinge waren unerreichbar, und so wandte ich mich dem Essen zu, um mich selbst zu beruhigen.

Das übermäßige Essen diente einem Zweck

– oder zumindest war es das, was ich damals glaubte. Es half mir, meine Probleme für ein oder zwei Stunden zu vergessen.
Es bot mir die Möglichkeit, meine Gefühle zu unterdrücken. Es beruhigte mich. Mit all den Lebensmittelverpackungen um mich herum fühlte ich mich nicht so einsam.
Ich kann heute erkennen, dass dadurch meine Einsamkeit nicht beseitigt wurde. Das Essen hat meine Probleme nie gelöst.
Es hat es mir einfach leichter gemacht, ihnen auszuweichen.

Das Problem hierbei: das nächtliche Essen wird zu einer tief verwurzelten Gewohnheit, wenn du es oft genug wiederholst.
Und je öfter du diese Bewältigungsstrategie nutzt, desto schneller schwindet dein Vertrauen in deine wahren Fähigkeiten. Also auch daran, dass du mit anderen (gesünderen) Methoden mit den negativen Emotionen zurechtkommst! Schon bald sind alle anderen Bewältigungsstrategien vom Tisch.

Vielleicht dachtest du, das Essen gibt dir etwas zurück. Vielleicht dachtest du, dass es dich beruhigt und entspannt. Dass es dich vorübergehend vergangene Traumata vergessen lässt. Was du dich jedoch fragen solltest, ist folgendes:

Hat diese Bewältigungsstrategie je ein Problem gelöst, oder hat sie sogar ein NEUES geschaffen?
Hast du dich während des Essens jemals glücklich, geliebt und geschätzt gefühlt?

Hat es positive Veränderungen in dein Leben gebracht?

Das emotionale Essen erscheint uns vielleicht als kurzfristige Lösung. Langfristig jedoch wird es zu einem größeren Problem als das, was du versuchst, zu vermeiden. Es wird nie etwas reparieren können. Das ursprüngliche Problem bleibt immer bestehen und durch die ständige Vermeidung des Problems nimmt das Vertrauen in die eigene Fähigkeit zur Bewältigung ab.

Anstatt dich für den falschen Komfort dem Essen zuzuwenden, kannst du Frieden mit dir selbst schließen.
Erkenne UND AKZEPTIERE, dass es einen Teil in dir gibt, der verärgert ist und Liebe & Aufmerksamkeit braucht.

Wenn du anfängst, auf diesen Teil in dir selbst zu hören und ihm Aufmerksamkeit zu schenken, werden die nächtlichen Heißhungerattacken nachlassen. Es hört auf, wenn du deinen Gefühlen eine Stimme gibst und lernst, auf sie einzugehen.

Es ist ein kein einfacher Prozess – das weiß ich.
Aber ich weiß auch, dass du zu einer glücklicheren, gesünderen Version von dir selbst wirst, die niemals zum Leben erweckt werden könnte, wenn du weiterhin alle schmerzhaften Emotionen mit dem Essen verschlingst, anstatt sie zu Wort kommen zu lassen.

Heute weiß ich, dass es gesündere Wege gibt, meine Schmerzen und meine Emotionen auszudrücken. Dazu brauche ich die Essstörung nicht mehr. Ich weiß jetzt, dass ich mich beruhigen kann. Ich weiß, dass ich das Unbehagen aushalten kann und die Welt deshalb nicht unter geht. Ich kann die Leute wissen lassen, dass ich verletzlich bin, ohne mich mit einer Essstörung zu verletzen. .

 

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Bis bald,

deine Dani von Recoverybuddy