Meine 5 Geheimzutaten für die Recovery

Hallo zusammen!

Zum Jahresende und Start ins neue Jahr 2021 würde ich gerne mit Euch meine Geheimzutaten teilen, die mir geholfen haben erfolgreich von meiner Essstörung zu genesen.

 

Kurz zu meiner Krankheitsgeschichte:

 

2016 bin ich an Magersucht erkrankt, war deshalb in der Kinder- und Jugendpsychatrie und einer Fachklinik, erlitt mehrere Rückfälle und entwickelte im Verlauf der Krankheit zusätzlich Zwänge, Depressionen und betrieb exzessiv Sport. 2018 traf ich dann den Entschluss, 100%ig gesund werden zu wollen. Zu lange hatte ich gelitten, zu viel liegt noch vor mir! Gesagt – getan: Mithilfe der Unterstützung meines Vaters und Recoverybuddy gelangte ich schrittweise zurück zur Normalität. Mittlerweile kann ich mit Abstand über die Krankheit & meine Erfahrungen sprechen, ich esse intuitiv und höre auf meinen Körper. Da ich das selbst nie für möglich gehalten hätte, liegt es mir am Herzen, anderen Betroffenen Mut zu machen!
In diesem Sinne wünsche ich euch alles erdenklich Gute, viel Kraft und die nötige Portion Entschlossenheit, die Krankheit loslassen zu können.

 

Hier nun für dich meine fünf Geheimzutaten:

 

1. Gesund werden wollen

Die Grundvoraussetzung für eine erfolgsversprechende Recovery ist der Wille, gesund werden zu wollen! Solange ihr an der Krankheit festhaltet, weil sie für euch eine Funktion hat, werdet ihr nicht genesen können. Die Trennung ist hart und sie wird euch immer wieder in Versuchung führen, Argumente liefern, warum ihr nichts essen braucht oder warum die Person im Spiel immer noch ,,zu dick“ sein. Hört nicht auf sie! Trefft den Entschluss nicht morgen oder nächste Woche, sondern genau JETZT! Ihr braucht die Krankheit nicht mehr. Und wenn die Stimme wieder laut wird, reagiert am besten gar nicht auf sie, denn so wird sie Tag für Tag leiser werden.

 

2. Die richtige Unterstützung

Die zweite Geheimzutat ist die richtige Unterstützung. Mit ,,richtig“ meine ich, die Personen in eurem Umfeld, die euch gut tun und in schwierigen Situationen beistehen. Ich meine diejenigen, die nicht wegschauen, wenn es euch schlecht geht. Diejenigen, die bereit sind, dich in der Recovery zu unterstützen – bedingungslos – und insbesondere diejenigen, die verstehen, dass Ihr krank seid und für manche Reaktionen & Verhaltensweisen wenig könnt. Alleine könnt ihr die Krankheit NICHT besiegen. Eure Wegbegleiter können Familienmitglieder, Freunde, Lehrer, Therapeuten, ehemalige oder aktuell Betroffene sein – Wichtig ist, dass ihr Vertrauen zu diesen Personen habt und bereit seid, Hilfe anzunehmen.

 

3. Transparenz schaffen

Transparenz geht einher mit der zweiten Geheimzutat. Mir persönlich hat es unglaublich geholfen, die Karten auf den Tisch zu legen und meinem Papa einfach mal zu erzählen, was in meinem Kopf so alles vorgeht und was die Stimme grade mal wieder einzuwenden hat. Für Außenstehende ist es kaum nachvollziehbar, was in unseren Köpfen so abgeht und wie endlos die Diskussionen sein können, ob der Schokoriegel denn noch ok ist oder nicht.
Durch die Gespräche habe ich noch einmal mehr erkennen können, dass ich krank bin und wieder normale Gedanken haben möchte. Meinem Papa hat es geholfen, in schwierigen Situationen passender zu reagieren und mir beizustehen, wenn die Stimme wieder lauter geworden ist. Außerdem konnten so effektiv Trigger reduziert werden, wie beispielsweise Kommentare zu Portionsgrößen (,, Das war jetzt aber eine riesige Portion Eis!“). Diese Geheimzutat hat dazu beigetragen, dass ich heute ohne Probleme über die Krankheit reden kann und offen darüber reden möchte, wie schwerwiegend Essstörungen (& andere psychische Erkrankungen) sind.

 

4. Neue Wege gehen

Diese Geheimzutat, benötigt eine Priese Mut, denn es geht darum, sich ins Unbekannte, Gefürchtete und Neue zu wagen. Am Anfang der Recovery entschied ich mich recht schnell dazu die Minni Maud Methode auszuprobiern, was mich sehr viel Mut gekostet hat. Bald kamen wöchentliche Challenges dazu, wie bspw. ein Pizzaabend mit Freundinnen oder sich bewusst mal entspannt in die Badewanne zu legen. Großen Gefallen fand ich auch daran, neue Gerichte auszuprobieren, von denen ich die Kalorienangaben nicht kannte. Auch wenn es mich jedes Mal Mut kostet, meine Komfortzone zu verlassen, bin ich jedes Mal froh über die neuen Erfahrungen, die ich dadurch sammeln kann. Neue Wege zu gehen, bedeutet auch, alte Gewohnheiten & Glaubenssätze loszulassen. Hinterfragt einmal bewusst, ob ihr derzeit glücklich mit eurem Leben seid. Wenn nicht, sucht nach den Ursachen, analysiert, was euch glücklich macht und habt den Mut, die nötigen Veränderungen zu treffen.

 

5. Oberste Priorität: ICH

Meine letzte Geheimzutat ist (gesunder) Egoismus. Dieser Begriff mag für euch negativ behaftet zu sein, daher möchte ich Klarheit schaffen: In der Retroperspektive habe ich erkannt, dass ich auch krank geworden bin, weil ich meine Bedürfnisse viel zu häufig unterordnen musste, mich angepasst habe oder Angst vor den Reaktionen in meinem Umfeld hatte. Nun weiß ich, dass in erster Linie eins im Leben wichtig ist: Mein Leben! Wenn es mir nicht gut geht, kann ich langfristig nicht glücklich sein und zusätzlich färbt die Stimmung auf andere ab. Leben sollte unbeschwert sein, Spaß machen und nicht durch eine Stimme im Kopf fremdbestimmt sein! In der Recovery habe ich gelernt, wieder stärker auf mich und meine Bedürfnisse zu achten und diesen nachzugehen. Heute reflektiere ich regelmäßig, was mir Kraft gibt und was mir Energie raubt und probiere entsprechende Faktoren zu multi- bzw. reduzieren.

 

Glaubt an Euch!

 

Ein ,,normales“ Leben ohne das ständige Gedankenkreisen ums Essen, Gewicht & Sport ist möglich, auch wenn ihr es derzeit möglicherweise für unmöglich haltet. Habt den Mut, tretet den steinigen Weg der Genesung an und erklimmt den Gipfel der Freiheit!

Beste Grüße
Bonnie

PS: Noch mehr Motivation? Schaue dir meinen Gastauftritt bei „Leeroys Momente“ in der ARD-Mediathek an!

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