Hi ich bin Saskia von buntezebras.com

Lange Zeit war mein Leben alles andere als bunt.

Nach über 10 Jahren mit Anorexie, Bulimie und Orthorexie habe ich den Glauben an mich und die Hoffnung an ein Leben ohne Essstörung beinahe aufgegeben.

Und doch habe ich es geschafft, diesem Teufelskreis zu entkommen.

Heute weiß ich, dass alles was im Leben passiert, einen Grund hat.

Denn ohne meine Essstörung würde ich heute nicht hier sitzen und diese Zeilen schreiben. Ich hätte nicht die Möglichkeit dir zu helfen.
Und dir zu helfen ist mein Herzenswunsch.

Die größten „Fehler“ auf meinem Heilungsweg:

 

Hey, schön, dass du da bist ❤ Mein Name ist Saskia und ich bin das Gesicht hinter dem Blog buntezebras. Auf meinem Blog teile ich meine Erfahrungen aus über zehn Jahren mit Essstörung. Mein Ziel ist es, über den Blog einen Ort zu schaffen, an dem sich andere Betroffene gesehen und verstanden fühlen. Gleichzeitig möchte ich aber auch Mut machen und zeigen, dass Heilung möglich ist. Und gerade, weil ich damit eine ähnliche Vision verfolge wie Dani mit Recoverybuddy, ist es mir eine besondere Ehre, ihre Plattform heute als Sprachrohr nutzen zu dürfen.

Hinter jedem Fehler verbirgt sich ein Learning

Nach über zehn Jahren mit den verschiedensten Essstörungen, einer Menge Auf und Abs, Rückfällen sowie wichtigen Erkenntnissen möchte ich in diesem Beitrag über meine größten „Fehler“ auf dem Heilungsweg sprechen. Das Wort „Fehler“ setze ich ganz bewusst in Anführungszeichen, da es erst einmal sehr negativ klingt. Dabei sind Fehler nichts per se Schlechtes. Wir wünschen uns natürlich, dass ab dem Moment, in dem wir uns für die Heilung der Essstörung entscheiden, alles vollkommen geradlinig verläuft. Wir keinen Schmerz mehr erfahren und die Essstörung am besten von heute auf morgen verschwunden ist. Je nachdem, an welchem Punkt du gerade stehst, hast du aber sicher schon festgestellt, dass die Realität ganz anders aussieht. Ich möchte, dass du in erster Linie verstehst, dass „Fehler“ dazugehören. Dass sie passieren dürfen und dass du dich dafür nicht verurteilen solltest. Hinter einem vermeintlichen Fehler verbirgt sich so gut wie immer ein Learning. So könnte auch ich ohne meine Fehler nicht hier sitzen und diese Zeilen schreiben – in der Hoffnung, dir dadurch zu helfen. Und auch wenn jede Essstörung und jeder Heilungsweg individuell sind, kannst du, indem ich über meine Fehler spreche, besonders achtsam auf deinem eigenen Weg sein, die Warnsignale frühzeitig erkennen und rechtzeitig entsprechend gegensteuern.

 

1.) Ich habe geglaubt, das Essen wäre mein Problem:

 

Viel zu lange habe ich geglaubt, dass ich einfach nur essen und zunehmen muss, um meine Essstörung zu heilen und gesund zu werden. Und natürlich dürfen wir die Tatsache, dass eine Essstörung eine ESS-störung ist, nicht gänzlich außer Acht lassen. Es gehört durchaus dazu, die Ernährung zu normalisieren, Ängste um das Essen aufzulösen und zuzunehmen. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig zu verstehen, dass eine Essstörung für Betroffene eine bestimmte Funktion erfüllt. Während die Konfrontation mit dem Essen und die Zunahme eher auf die Heilung im Außen abzielen, sollte man für eine ganzheitliche Heilung (und diese umschließt eben auch die Heilung im Innen) tiefer blicken. Hinter einer Essstörung stecken negative Glaubenssätze, Traumata, in manchen Fällen sogar eine bislang unentdeckte Depression, die es aufzudecken und in einem weiteren Schritt aufzulösen gilt.

 

2.) Ich habe auf den perfekten Moment gewartet, um anzufangen:

 

„Morgen fange ich endlich an!“
„Ab morgen wird alles anders!“

Kommen dir diese Aussagen bekannt vor? Auch ich habe viel zu lange auf den Moment gewartet, in dem ich mich „bereit“ fühlte, die Essstörung gehen zu lassen. Die Wahrheit ist aber, dass es keinen magischen Klick-Moment gibt und du dich nie zu 100 % bereit fühlen wirst. Das liegt daran, dass die Heilung deiner Essstörung zwangsläufig „Veränderung“ bedeutet, und Veränderung macht uns Angst. Sie sorgt dafür, dass sich unser gesamtes System in seiner Sicherheit bedroht fühlt. Wenn es aber eine Sache gibt, die unser System liebt, dann ist das Sicherheit! Darüber hinaus liebt es unser System, wenn die Dinge einfach sind. Und natürlich wäre es einfacher, weiterzumachen wie bisher, in deiner Komfortzone zu bleiben und deine Essstörung folglich nicht zu heilen.

Worauf es ankommt, ist, dass du für dein Leben losgehst, obwohl du Angst hast. Oder gerade deswegen. Vertraue darauf, dass es mit jedem Schritt, den du auf deinem Weg gehst, einfacher wird. Vertraue darauf, dass „der Weg dem Gehenden unter die Füße geschoben wird“.

 

3.) Ich wollte es allein schaffen:

 

Ich glaubte lange, mich selbst in diese Lage gebracht zu haben und es deshalb auch ganz allein raus schaffen zu müssen. Und natürlich bin ich ein Stück weit stolz auf das, was ich bis hierhin aus eigener Kraft geschafft habe. Gleichzeitig erkenne ich heute aber auch, dass Heilung womöglich schon viel früher möglich gewesen wäre, wenn ich mir Unterstützung geholt hätte. Solange ich meinen Heilungsweg allein bestritt, konnte ich jederzeit zurück in die Essstörung. Es war niemand da, gegenüber dem ich rechtfertigen musste, warum ich nun doch wieder weniger esse, viel zu viel Sport mache, einen Fressanfall habe oder erbreche. Erst vor kurzem habe ich den Schritt gewagt und mir für meinen weiteren Weg Unterstützung gesucht. Für mich bedeutete das, mir kein mehr offen zu halten. Es war ein „Ja!“ zum Leben und ein „Nein!“ zur Essstörung.
Diese Unterstützung muss nicht einmal zwangsläufig von einem Therapeuten oder einem Coach kommen. Mir hat auch die Verbindung mit anderen Betroffenen über Instagram, Facebook oder meinen Blog geholfen. Ganz nach dem Motto „Gemeinsam statt einsam“ ermöglicht der Austausch mit anderen, dass man sich verstanden fühlt, sich gegenseitig motivieren und inspirieren, aber auch ermutigen kann. Weil es auf Instagram und Co. leider nach wie vor zahlreiche Accounts gibt, die Essstörungen verharmlosen oder sogar verherrlichen, rate ich dir allerdings unbedingt darauf zu achten, dich ausschließlich mit Menschen zu verbinden, die das gleiche Ziel haben wie du – nämlich, die Essstörung zu heilen!

 

4.) Ich habe meine Sucht verlagert:

 

Die Essstörung hat sich immer wieder in den unterschiedlichsten Formen zurück in mein Leben geschlichen – von Orthorexie über strikten Veganismus bis hin zur Sportsucht, die auf der Wettkampfbühne endete.
„Ich bin jetzt halt so. DAS ist mein Weg!“
Die meisten Betroffenen definieren sich im Laufe der Essstörung zunehmend über die Krankheit. Deswegen geht es auf dem Heilungsweg natürlich auch darum, herauszufinden, wer man ohne die Krankheit ist. Es kann gut sein, dass man neue Seiten an sich entdeckt oder zu Hobbys findet, die man vor der Essstörung noch nicht hatte. Doch insbesondere, wenn diese in enger Verbindung mit einer bestimmten Ernährungsform oder Sport stehen, sollte man sich stets fragen, welche Intention dahintersteckt. Ist es wirklich eine Leidenschaft oder lediglich die Essstörung, getarnt, um möglichst unentdeckt zu bleiben und so weiter ausgelebt werden zu können? Oftmals handelt es sich tatsächlich um „Überbleibsel“ der Essstörung, die eine letzte Kontroll- oder Sicherheitsfunktion erfüllen. Und gerade, weil wir glauben, diesen Rest Kontrolle, diesen Rest Sicherheit dringend zu benötigen, möchte ich dir sagen: du brauchst ihn nicht! Bedenke unbedingt, dass ein Leben mit ein bisschen Essstörung immer noch ein Leben mit Essstörung ist.
Was du aber verdienst, ist ein Leben in Freiheit, Glück, Liebe und vor allen Dingen Gesundheit.

Eure

       Saskia

Mehr von Saskia findet ihr auf buntezebras.com und auf Instagram unter https://www.instagram.com/buntezebras/

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