3 Schlüssel, die in der Psychotherapie vernachlässigt werden

  • 13. September 2016

Als ich noch bis zu 15x Mal am Tag Essen in mich reinstopfte und es auf dem Klo wieder erbrach, schien mir die Außenwelt surreal. Die Menschen, die sich in Cafés und Restaurants trafen und unbeschwert alles genießen konnten, waren ganz klar nur außerhalb meiner Blase zu beobachten. Ich dachte, dass ich niemals wie sie sein werde und dass sie mich wiederum auch niemals verstehen könnten. Beinahe hatte ich mich damit abgefunden, für den Rest meines Lebens damit klarkommen zu müssen. Jegliche Therapien hatte ich schon vor 3 Jahren hinter mir gelassen, weil sie mich scheinbar nicht weiterbrachten. Auch kam ich an einen Punkt, an dem die Vergangenheit mich nicht mehr so sehr belagerte, wie sie es einmal tat. Ich war austherapiert und sah auch keinen Grund, weiterzumachen. Was übrig blieb, war der ungeheuer starke Drang zur Selbstzerstörung. Jeden Tag.

Doch es kam eine Zeit, als auch das vorüber war.

Hier sind die 3 Schlüssel, die in der Psychotherapie vernachlässigt wurden:

#1 Physischer Hunger macht besessen auf’s Essen.

Wenn du – so wie ich damals- glaubst, dass du besessen bist von Essen und deine Gedanken ständig nur darum kreisen, fühlst du dich schon beinahe wie ein Junkie. Es es ein Gefühl, das alles andere als normal ist. Doch eins musst du verstehen: du bist normal.

Und das, was du in solchen Momenten erlebst, ist schlicht und ergreifend dein natürlicher, biologischer Hunger. Das Resultat aus Angst und Restriktion. Ein natürliches Grundbedürfnis des Menschen, welches uns erlaubt überhaupt auf diesem Planeten zu gedeihen und uns weiter zu entwickeln. Die Antwort deines Körpers, wenn du ihm lange Zeit Nahrung entzogen hast.

Glücklicherweise lebe ich – und du auch- in einer Zeit, in der akute Hungerphasen keine Bedrohung darstellen.

Was also führte zu diesem Zustand des Hungers?

Mit großer Sicherheit kann ich sagen, dass jener Hunger herbeigeführt wurde durch eine vorausgehende Diät. In meinem Fall sogar eine starke Anorexie.

Weil ich mich also

  • beim Essen einschränkte
  • den Wunsch hatte, Diät zu halten
  • mir selbst immer wieder sagte, ich sei auf Diät
  • mein Essen wieder erbrach

blieb ich im Teufelskreis gefangen. Solange diese Einschränkung jeden Tag eine Bedrohung für deinen Körper darstellt, wird dieser physische Hunger nicht gehen.

Allein das strukturierte, regelmäßige Essen wird dich von diesem Hunger befreien. Im Umkehrschluss heißt das auch:

Was einmal der Auslöser für das Problem war, wird das Problem nicht lösen!

All die Jahre ging ich davon aus, dass ich irgendwann einmal DIE Ernährungsweise oder DIE Diät finden werde, die mich langfristig normal werden und bleiben ließ. So zu denken war leider nur kontraproduktiv.

Wie du das strukturierte Essen erfolgreich anwendest, lernst du in meinem individuellen Coaching.

Schlüssel #2: Selbsthass lässt dich in der Essstörung festsitzen.

Selbstliebe ist demnach Voraussetzung für eine vollständige Genesung.

Ich habe mich selbst verletzt, meinen Körper vergiftet und die innere Stimme hat stets gegen mich gearbeitet. Sie sagte Dinge wie:

ich bin nutzlos…ich bin nichts wert…ich bin fett…ich bin ein Psycho… usw.

Und wenn ich versagte, musste ich mich selbst bestrafen.

Der Selbsthass verlangt von dir perfekt zu sein und alles perfekt zu tun, was schlichtweg UNMÖGLICH ist. Vor allem deine Genesung verläuft nicht perfekt, es gibt Rückschläge und Ausrutscher. Es wird Momente geben, in denen deine Willensstärke gefragt ist, damit du nicht fällst. Selbsthass würde dich in einem Kreislauf von versagen und aufgeben verharren lassen. Jeder Tag würde gleich verlaufen, ohne Fortschritt.

Selbstliebe ist der Kleber zwischen den verschiedenen Stufen deiner Genesung. Du musst eine Stimme in dir finden, die dir sagt: “Du schaffst das, auch wenn es gerade hart ist.”

Selbstliebe wird dir die nötige Motivation geben am Ball zu bleiben, in Momenten, in denen du aufgeben willst. Selbstliebe äußert sich ausschließlich durch positive Gedanken. Über sich selbst, das Geschehen und den Prozess. Vertraue auf den Prozess der Genesung und dein Körper wird folgen.

SELBSTLIEBE HILFT DIR, FRIEDEN MIT DEM ESSEN ZU SCHLIEßEN!

Schlüssel #3 Das Suchtgedächtnis neu beschreiben und die Essstörung “verlernen”.

Der 3. Schlüssel hört sich erst einmal etwas komisch an. Unsere Hirnchemie und neuronalen Verbindungen sind jedoch meiner Meinung nach ausschlaggebend dafür, ob wir vollständig genesen. Denn die Verbindungen im Gehirn reagieren auf verschiedene Verhalten, wie bspw.:

  • sprechen
  • Bewegung
  • Interesse zeigen
  • Essen
  • (fehlende) Selbstliebe

usw.

Die Verbindungen werden stärker oder schwächer je nachdem, wie oft und mit welcher Regelmäßigkeit wir eine bestimmte Aktion ausführen. Diese Aktionen sind meistens mit Emotionen verbunden. Ein schönes Beispiel dafür ist die Gewohnheit, zu essen, sobald man nach Hause kommt. Oder zu essen, wenn man traurig oder gelangweilt ist. Wer bulimisch ist, hat die Angewohnheit, nach jedem Essen zu erbrechen. Bei vielen ist solch eine Aktion schon dermaßen automatisiert, dass wir gar nicht mehr großartig darüber nachdenken, geschweige denn in uns hineinhorchen, um das wahre Bedürfnis zu erkunden. Damit machen wir es uns einfach. Es ist ein Weg, den wir kennen und wir müssen keine Kraft aufwenden, einen neuen zu finden.

Die gute Nachricht aber ist: einen neuen Weg zu gehen, erfordert nur in der Anfangsphase etwas Kraft und Disziplin. Er ergibt sich nämlich schon in jenem Moment, in dem du den alten Weg nicht mehr wählst. Eine bestimmte Ersatzhandlung ist vorerst gar nicht nötig. Je öfter der Weg nicht mehr gewählt wird, desto schwieriger fällt es unserem Unterbewusstsein, sich an diesen zu erinnern. Ganz richtig! Wir können unsere Sucht regelrecht verlernen! Ich habe zudem bemerken müssen, dass ich bestimmte Fähigkeiten verloren habe, die in Verbindung mit der Sucht standen:

die Fähigkeit, zu hungern und die Fähigkeit zu überessen.

Deswegen kann ich abschließend sagen, dass wir automatisch einen Schritt in Richtung Normalität und Selbstliebe gehen, wenn wir den alten Weg nicht mehr wählen.

In der Psychotherapie habe ich nie etwas über Neurowissenschaften gelernt. Ich hatte auch keine Selbstliebe gelernt.

Dies verurteile ich nicht, denn die Tiefenpsychologie und auch die Verhaltenstherapie setzt ganz andere Ziele. Es war auch ein Fehler zu glauben, dass ein Therapeut mir alle Arbeit abnimmt und mich von meinen Süchten heilt.

Psychotherapie setzt “Hilfe zur Selbsthilfe” als Ziel. Solange du nicht fähig bist, dir selbst zu helfen, bleibt die Therapie fruchtlos.

Noch mehr Hilfe?

Du benötigst Unterstützung, um deine Denkweise und Beziehung zum Essen für immer zu ändern?
Sende mir einfach eine Nachricht über das Kontaktformular, oder besuche meinen Onlinekurs “deine Kampfansage” !
Mein kostenloser Ratgeber steht dir jederzeit als Download zur Verfügung. Ich freue mich aber auch über deine persönliche Nachricht!

Gemeinsam machen wir dich stark!

Bis bald,

deine Dani von Recoverybuddy

Leave a Reply

Your email address will not be published. Fields marked with * are required

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen