6 Fehler, die dich in der Essstörung festsitzen lassen

  • 3. Oktober 2017

So gesehen, gibt es in der Genesung keine Fehler. Ich spreche lieber von Lektionen, aus denen du lernen kannst und musst, um zu wachsen und weiter zu kommen auf deinem Weg. Ohne „Fehler“ gäbe es kein Verständnis für deine Verhaltensweisen und du würdest dich selbst in diesem Prozess nicht ausreichend kennen lernen.

Allerdings möchte ich heute auf häufige Ursachen hinweisen, die Viele dazu bringen, frühzeitig aufzugeben oder an sich zu zweifeln. Schuldgefühle und Glaubenssätze, wie „Ich schaffe das nie“ sind dabei die Folge. Auch ich musste erst einmal verstehen, dass ich nicht einfach schwach oder zu blöd war, um gesund zu werden. Und ich musste vor allem einsehen, dass ich meine Erfolge nicht durch einen Rückfall „versaut“ hatte.

Findest du dich in dieser Beschreibung evtl. schon wieder?

Es ist klar, dass du immer wieder auf die Nase fällst, solange du immer wieder ein und denselben Fehler machst. Wenn du hingegen aus den Fehlern lernst und das Beste tust, um weiterzumachen, wirst du an dein Ziel gelangen.

Aus diesem Grund teile ich heute mit dir die häufigsten Stolpersteine:

1. Alles oder nichts Denken

Das alles oder nichts / Schwarz/Weiß-Denken ist typisch für jemanden mit einem Essproblem.
Du möchtest alles gut machen und sobald du mal versagst, möchtest du am liebsten komplett aufgeben und glaubst nicht mehr an dich.

Das ist normal. Viele Menschen denken und handeln so. Das Problem ist nur – auch wenn du noch so sehr versuchst, gesund zu sein oder zu werden – ist dieses Verhalten alles andere als das!

Im Leben ist nichts schwarz oder weiß. Es liegt alles irgendwo dazwischen – in der Grauzone. Und darum ist es auch absolut ok, sich in diesem Spektrum hin und her zu bewegen, mal mehr in Richtung schwarz und mal mehr in Richtung weiß. Es ist essentiell, um alle Seiten kennen zu lernen und zu lernen, dass es nichts mit Schuldgefühlen zu tun hat. Sei also nicht so hart zu dir selbst und zeige dir selbst gegenüber Verständnis für die unterschiedlichen Farbtöne in deinem Leben.

Gelangst du an diesem Punkt, hast du das Leben verstanden, denn dieses ist NIE zu 100% perfekt!

Von hier aus kannst du starten und dir bewusst machen, dass die meisten Dinge eben anders als geplant kommen. Du kannst dir entweder die Schuld dafür geben und den Tag als „ruiniert“ abstempeln, oder es hinnehmen und nach positiven Aspekten in diesem Szenario schauen.
Das gilt vor allem für das Essen: Isst du einmal unkontrolliert, wirst du keine 5 Kilo zunehmen und dies ist auch KEIN Grund, um alles abzubrechen. Wir alle verlieren einmal die Kontrolle, es ist ein natürliches Verhalten. Lerne daraus, verstehe dein Verhalten und mach weiter, wenn du dich wieder bereit dazu fühlst. Warum? Weil das Schwarz/Weiß-Denken zu Verurteilungen und negativen Gedanken führt, die dich in eine Spirale fallen lassen. Dort wieder herauszukommen ist schwieriger, als aufzustehen und weiter zu machen.

Bleib locker und flexibel!

2. Essen restriktieren und Regeln aufstellen

Solange du weiterhin Regeln und Verbote aufstellst, bewegst du dich innerhalb der Komfortzone der Essstörung. Dies bedeutet auch, dass du deine körperlichen und mentalen Bedürfnisse weiterhin unterdrückst. Diese eingeschränkte Denkweise bringt dich nirgendwo hin, außer dahin, wo du schon seit einigen Jahren verweilst und festsitzt.

Denk auch an deinen Körper, deine Organe, dein Gehirn. Sie alle sind auf dich und die Nahrung angewiesen. Um die Essstörung zu verstehen und rational denken zu können, brauchen deine Gehirnzellen Futter. Ein Alkoholiker wird, solange er noch trinkt, nicht therapiert, denn das wäre ziellos. Erst durch Abstinenz wird er klar denken können und in der Lage sein, mitzuarbeiten. Wenn du also deine Verhaltensweisen verstehen und loswerden möchtest, ist es nötig, genug zu essen, um rational zu denken und zu handeln!

Mit anderen Worten: wenn du eine weitere Diät machst, oder Regeln aufstellst, ist deine Genesung zum Scheitern verurteilt. Um gesund zu werden, brauchst du konsequent Nährstoffe und Energie für Körper und Geist. Wenn dich dies noch überfordert, kann ich dir hier mit einem individuell angepassten Essplan helfen, mit dem du strukturiert essen kannst.

3. Denken, nicht gesund werden zu wollen

Die Stimme der Essstörung ist böse und manipulativ. Sie möchte dich in deiner Komfortzone gefangen halten und dich weiter kritisieren und Gründe finden, warum es besser wäre, weiterhin mit der Essstörung zu leben. Das ist verrückt!! Glaube ihr kein Wort, denn wenn das stimmen würde, würdest du meine Artikel nicht lesen, richtig? Besinne dich auf die Fakten und darauf, was du wirklich willst. Alles hat dich erst hierhin geführt, weil du der Stimme geglaubt und vertraut hast! Zu welchen schrägen Taten hat sie dich schon verleit? Willst du das wirklich für den restlichen Teil deines Lebens?

Vielleicht hast du dich für kurze Zeit gut gefühlt während des Hungerns, des Essens oder Erbrechen. Aber wie lange hielt das an? Würdest du jemanden empfehlen, dasselbe zu tun? Nein? Dann höre auch nicht mehr auf die Stimme, die dir vorschreibt, etwas tun zu müssen.

Du weißt, es ist nicht so!

Du willst gesund werden und endlich deine Kraft zu 100 % statt den üblichen 10-20 % einsetzen können, du willst gesund und glücklich sein, ich weiß das:) Wenn du also das nächste mal negative Gedankengänge, oder Stimmen in deinem Kopf hörst sage ihnen, sie sollen endlich Ruhe geben!

4. Fehlende Fähigkeit zur Emotionsregulierung

Um von einem essgestörten Verhalten zu heilen, ist es nötig, schmerzhafte oder negative Emotionen und Erfahrungen anders zu verarbeiten als in der Vergangenheit. Dies stellt sich meist als ein großes Problem dar.

Ob Frust, Traurigkeit, Stress oder Freude. Viele Emotionen können Essdruck oder ein restriktives Verhalten hervorrufen WENN du dich weiterhin weigerst, diese Gefühle zu FÜHLEN und nicht WEGZUDRÜCKEN.

Ich weiß, dass es fremd ist, weil du dein halbes Leben lang deine Gefühle unterdrückt hast. Aber Fakt ist, dass die meisten Menschen ihren Gefühlen keinen Raum geben und alles dafür tun, um von ihnen abzulenken. Für sie ist es einfacher, zum Glas Wein oder zum Essen zu greifen.

Leider entstehen so chronische Verhaltensweisen und destruktive Gewohnheiten. Ist das der Preis? Ich rate dir daher, deinen Schmerz zuzulassen, indem du weinst, deiner Freude Raum zu geben, indem du singst und tanzt, deine Wut frei zu lassen, indem du gegen einen Boxsack schlägst oder laut schreist, deine Müdigkeit wahrnimmst und dich schlafen legst. Fühle, wie es durch deinen Körper fließt und dich wieder verlässt, denn: jedes Gefühl ist temporär. Wenn du jedoch all deine Kräfte dafür verwendest, um vom Gefühl abzulenken, verschiebst du es nur auf einen späteren Zeitpunkt. Dabei will es nur da sein, gefühlt und angenommen werden.

Höre auf, in destruktive Verhaltensweisen zu flüchten. Es verschlimmert deine Emotionen nur!

5. Zu früh aufgeben

Beim Suchtverhalten reagiert unser Gehirn mit demselben neuronalen Mechanismus, wie bei einer Angewohnheit. Dies wurde bereits untersucht und bestätigt. Dementsprechend können wir Süchte mit schlechten und destruktiven Gewohnheiten vergleichen.

Eines aber ist sicher: Sobald du diese Verhaltensweisen wiederholst und immer wieder tust, reaktivierst du damit die neuronalen Nervenwege und vermittelst du deinem Gehirn so, dass dieses Verhalten normal und notwendig ist zum Überleben. Deswegen ist das frühzeitige Aufgeben so fatal. Es funktioniert nie langfristig, wenn du deinem Hirnstoffwechsel nicht genügend Zeit gibst, um die Denkstrukturen zu ändern/bzw. den Normalzustand wiederherzustellen.

Dasselbe gilt für andere Süchte (Drogen, Zigaretten, Alkohol… etc.)

Wir alle wissen, dass die eine letzte Zigarette oder der letzte Drink nie die allerletzte ist (weil du damit die Nervenbahnen erneut aktivierst).
Wenn du lange genug das Gegenteil tust, als das, was der Suchtdruck von dir verlangt, wirst du sehen, dass der Druck ab einem bestimmten Zeitpunkt ausbleibt und auch nicht mehr wiederkommt. Du kannst also frei sein von all den destruktiven Verhaltensweisen!!

6. Das Zielgewicht zu niedrig ansetzen

Hast du dir vor der Genesung auch eine Gewichtsgrenze gesetzt? Ich habe dies unzählige Male getan, mit Ausnahme von dem einen Mal, als ich wirklich genesen konnte;)
Was habe ich stattdessen getan? Ich habe meinen Körper erlaubt, sein Wohlfühlgewicht selbst zu finden und habe nicht mehr versucht, es zu steuern. Ich habe mich nicht gewogen, mich nicht kritisch im Spiegel betrachtet und meinen Körper geduldig heilen lassen. Keine Körperform, kein Muskelanteil und keine Knochenstruktur sagt aus, ob du schon gesund bist. Einen realistischen Gewichtsverlauf schildere ich hier in einem anderen Artikel.

Unrealistische Vorstellungen und Grenzen gehören genauso wie Verbote und Regeln zum essgestörten Verhalten. Du wirst die Essstörung folglich nicht mit ihren eigenen Waffen bekämpfen können.

Noch mehr Hilfe?

Sende mir einfach eine Nachricht über das Kontaktformular, oder besuche meinen Onlinekurs “deine Kampfansage” !
Mein kostenloser Ratgeber steht dir jederzeit als Download zur Verfügung.
Gemeinsam machen wir dich stark!

Bis bald,

deine Dani von Recoverybuddy

 

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