Bedürfnisse, Identität & Essstörung – den inneren Konflikt verstehen

  • 19. Mai 2019

Dieser Beitrag ist ein zugesendeter Leserbrief einer Betroffenen:)

Hey!

Da ich in der Schule das Fach Pädagogik belegt habe, habe ich durch verschiedene Theorien zur Identitätsbildung mehr über die Hintergründe, psychischen Ursachen und mögliche Bewältigungstrategien der Essstörung lernen können.
Diese möchte ich gerne mit euch teilen, um euch bei der Genesung unterstützen zu können. Vielleicht hilft es euch auch, die eigene Ursachen der Essstörung zu verstehen.

Zunächst einige Grundannahmen

(hierbei beziehe ich mich auf die Theorien und Modelle zur Identitätsbildung von Klaus Hurrelmann, Lothar Krappmann, Herbert Mead und Sigmund Freud):

Alle diese Theoretiker gehen davon aus, dass sich die Identität aus zwei Polen zusammen setzt und sich im Laufe der Entwicklung bildet, wenn zwischen ihnen ein Gleichgewicht herrscht. Die eine Seite bezeichnet unsere eigenen Bedürfnisse, Triebe und Ziele, die andere fasst sich in den sozialen Normen, Werten und Verhaltensweisen zusammen, die von uns aus Sicht der Gesellschaft erwartet werden. Gelingt es uns nicht zwischen diesen beiden Polen eine Balance herzustellen, kommt es zu abweichenden Verhaltensweisen und psychischen Erkrankungen, die die Ausbildung einer stabilen Identität gefährden.

Meiner Ansicht nach kompensierte ich diesen inneren Konflikt unbewusst mit der Essstörung. Sie entwickelte sich bei mir schleichend, in einer Zeit, in der ich bedingt durch Schulstress, Leistungsdruck und erhöhte Anforderungen im sportlichen Bereich (ich habe Leistungssport betrieben) kaum Zeit für mich selbst hatte. Rückblickend wollte ich es allen immer gerecht machen, passte mich an und vernachlässigte meine eigene Bedürfnisse stark. Leistung und Erfolg hatten bei mir oberste Priorität, weil ich so mein Selbstwert bestätigen konnte. Meine soziale Seite nahm überhand und ich vergas dabei die wichtigste Person in meinem Leben:

mich selbst!

Meine Psyche konnte diesen Druck nicht standhalten und unbewusst projizierte ich den inneren Konflikt auf mein Essverhalten. Dies war das einzige in meinem Leben über das ich noch Kontrolle hatte, was nicht fremdbestimmt war und konnte hierüber meine innere Auflehnung ausdrücken. Zu dieser Zeit wusste ich das alles nicht, es geschah einfach und schon war ich mittendrin in der Essstörung!

Die Einweisung in die Kjp und ein Klinikaufenthalt folgten. Dennoch geling es mit nicht, Frieden mit dem Essen zu schließen.

Erst das Recovery-Programm von Recoverybuddy half mir zurück ins Leben und dabei, mich selbst nicht mehr als Feind zu sehen. Mittlerweile befinde ich mich seit letztem Sommer in der Genesung und arbeite Tag für Tag an der Beziehung zu mir selbst. Ich habe gelernt, wieder mehr auf meine Bedürfnisse zu hören, mich als oberste Priorität zu sehen und mein Ding durchziehen, egal was die anderen denken. Zwar habe ich noch nicht vollständig eine innere Balance erreicht, manchmal überwiegt sogar meine persönliche Bedürfnisse-Seite mehr und alles soll nach meiner Nase gehen, aber ich lasse mich nicht mehr von den Erwartungen anderer beeinflussen!

Zudem bin ich selbstständiger geworden und ich habe feste Zeiten für mich festgelegt. Ebenso wichtig ist es auch, seine Meinung zu sagen, Gefühle zuzulassen und nach Außen zu zeigen, selbst wenn sie in manchen Situationen unpassend erscheinen! Beides fällt mir teilweise noch schwer bzw. fühlt sich unangenehm an, jedoch stärkt es mein Selbstbewusstsein und ich kann nicht nur anderen Menschen, sondern auch der Essstörung deutlich machen, dass alles was mir schadet, nichts in meinem Leben zu suchen hat!

Die Essstörung war/ist für mich eine Flucht vor Konflikten, der Konfrontation mit negativen Gefühlen und die Vermeidung von Widersprüchen.

Seid mutig:

Steht zu euch, euren Gefühlen, Bedürfnissen und Wünschen egal was die anderen sagen oder denken könnten! Dem einzigen Menschen, dem ihr gerecht werden müsst, ist euch selbst! Und vor allem: Lasst euch von Regeln, Normen oder Erwartungen nicht einschüchtern oder von euren Träumen abhalten! Die ganze Essstörung besteht nur aus Vorgaben und Regeln. Sie ist euer größter Kritiker und ihr könnt ihr es nie gerecht machen!

Für mich war die Erkenntnis, stur Regeln zu folgen, seien es die der Essstörung oder der Gesellschaft, ohne sie zu hinterfragen, ein entscheidender Punkt, um mutiger, selbstbewusst und spontaner zu werden. Natürlich gibt es gewisse Gesetze und Regeln, die ihren Sinn für das gesellschaftliche Zusammenleben haben. Aber einige von ihnen sind unausgesprochen und existieren nur in eurer Vorstellung. Erst wenn ihr sie brecht, könnt ihr erkennen, dass sie nur Schein sind und euch von eurem Leben mit all seinen Facetten getrennt haben.

Also: Brecht die schlimmste aller ,,Regeln” und zeigt der Essstörung den Mittelfinger!

Eure Bonnie

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Gemeinsam machen wir dich stark!

Bis bald,

deine Dani von Recoverybuddy

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