Brain over Binge: Ist es nur ein Drang, zu essen?

  • 19. Februar 2019

Gastbeitrag von Jasmin Bühler von https://www.hilfe-bulimie.ch

Das Konsumieren von großen Mengen an Lebensmittel, die vollgepackt sind mit Zucker und Fett, schafft temporäre Nebeneffekte, die du vielleicht als positiv siehst wie zum Beispiel: der sofortige Genuss/Vergnügen oder Belohnung.

Was es in Wahrheit ist: ein traumähnlicher Zustand, induziert durch chemische Vorgänge im Gehirn, eine Ablenkung von deinem Alltag, ein Gefühl von emotionaler Taubheit, eine Entschuldigung, deine Verantwortungen zu umgehen oder ein Grund, um soziale Umgebungen zu meiden, eine nette Beschäftigung im sonst so traurigem Leben… .

Ich nenne diese temporären positiven Nebeneffekte „sekundäre Vorteile“.

Der „primäre Vorteil“, den du durch das Binge Eating und die Essanfälle erhältst, ist allein

die Erlösung von dem Drang zu essen.

Die Aufgabe des primitiven Gehirn ist es, die Verhaltensweisen (das Binge Eating) zu belohnen, von denen es denkt, dass sie notwendig sind, um zu überleben. So sind auch all die temporären „sekundären Vorteile“ Teil der Gewohnheit.

Es geht nur darum, den (Sucht-)Druck zu befriedigen

Ohne den Drang, der dich dazu zwingt zu essen, würdest du jedoch nie einen Fressanfall wählen, um diese sekundären Vorteile zu erhalten – genauso wenig wie Nichtraucher niemals eine Zigarette in die Hand nehmen würden, um Genuss zu erhalten oder zu entspannen, auch wenn diese Gründe/Vorteile für gewöhnlich von Rauchern angegeben werden. Die sekundären Vorteile des Binge Eatings können sicherlich zu einer Sucht werden und du wirst vielleicht ein starkes Verlangen nach diesen Nebeneffekten entwickeln.

Aber bitte nimm nicht an, dass du ein Binge Eater bist, weil du von sekundären Vorteilen profitieren willst und es einfach brauchst. Jeder braucht Genuss/Vergnügen und Komfort, und auch Ablenkung ist zwischendurch angenehm. Aber wenn es um das Binge Eating geht, sind diese Vorteile nur eine Illusion, die von den Drängen deines Gehirns aufrecht gehalten werden.

Die sekundären Vorteile

Du hattest einen stressreichen Tag oder du brauchst eine Beschäftigung, dann solltest du essen und alles um dich herum vergessen.

Dies wird dir die Stimme deines Dranges sagen. Die sekundären Vorteile werden zu einem Treibstoff deines primitiven Gehirns. Die Art und Weise wie du das feststellen kannst, ist, dass andere Wege, um die gleichen Vorteile zu erhalten nicht reizvoll sind. Wären die sekundären Vorteile wirklich das was du wolltest, dann wärst du für andere Wege/Optionen offen, um diese Vorteile zu erhalten. Nach einem Binge ist es am einfachsten festzustellen, dass diese verlockenden Gedanken von deinem primitiven Gehirn stammen, weil du realisierst, dass die Auswirkungen von einem Binge nicht so gut waren wie dir der Drang/die Stimme versprochen hat und das die temporären Vorteile, die du erfährst die Kosten eines Fressanfalls nicht wert sind.

Dein primitives Gehirn belohnt und verstärkt deine Gewohnheit und stellt sicher, dass du sie weiterhin wiederholst.

> Was sind deine sekundären Vorteile eines Binges?

> Wie benutzt die Stimme deines Dranges die sekundären Vorteile, um dich zum bingen zu bringen? (Was verspricht sie dir?)

> Denke darüber nach, ob die sekundären Vorteile einen Fressanfall wert sind oder nicht? Denkst du, dass du diese Nebeneffekte wirklich brauchst? Oder brauchst du sie nur temporär, wenn du den Drang zu essen hast?

> Nach einem Essanfall, denkst du dann, dass es die sekundären Vorteile wert waren? Warum oder warum nicht?

> Wie könntest du deine sekundären Vorteile mit einem anderen Verhalten erhalten? Könntest du daraus eventuell ein Ritual machen, dass dir gut tut?

So kannst du nebst dem Üben nicht auf den Binge-Drang zu reagieren:

1. irrationalen Drang aussprechen.
2. Trenne es! Erkenne an, dass dieser Drang/Gedanke nicht Du bist. Nur weil du es denkst, bedeutet es nicht, dass es wahr ist oder von dir (deinem überlegenden Ich-Gehirn) kommt.
3. Betrachte es von einer äußeren Perspektive. (Was will dein logisches, rationales Ich?)
4. Neue Verhaltensweisen trainieren, die dir gut tun und die nicht schädlich für dich sind.

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Gemeinsam machen wir dich stark!

Bis bald,

deine Dani von Recoverybuddy

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