Die „Brain over Binge“ Methode

  • 24. November 2016

Im letzten Artikel habe ich Lösungsansätze in Bezug auf die verschiedenen Arten der Essstörung vorgestellt. Diese bezogen sich im Wesentlichen auf das Essverhalten und lassen die Gefühlswelt erstmal außen vor.
Nun gibt es aber immer wieder die Aussage, dass bei einem Essproblem das Essen gar nicht das Problem sei.

Die Autorin des Bestsellers “Brain Over Binge”, Kathrin Hansen, hat sich speziell mit dieser Aussage beschäftigt und sie widerlegen können.
Sie selbst war betroffen von einer anfänglichen Magersucht, die in die Bulimie überging und sie lange Zeit nicht losließ.

Aus Verzweiflung unterzog sie sich Psychotherapien und nahm Antidepressiva in der Hoffnung, dass ihr Zustand sich besserte. Nach mehreren Jahren erfuhr sie jedoch immer nur phasenweise Besserungen. Solange, bis die Wirkung der Medikamente nachließ und sie sich schließlich entschloss, keine mehr einzunehmen. Zufällig fiel ihr zu dieser Zeit der Suchtratgeber “Rational Recovery” von Jack Trimpey in die Hände, der eigentlich Substanzbezogene Süchte wie den Alkoholismus behandelt.

Seitdem vertritt sie die These, dass auch die Essstörung eine körperliche Abhängigkeit darstellt und sehr wohl mit Essen zu tun hat.

Ihrer Auffassung nach, sind sowohl Magersüchtige als auch Bulimiker und Binge eater chronisch mangelernährt. Dabei ist es egal, in welcher Gewichtsklasse sie sich befinden. Ihnen fehlen Nährstoffe, die vor allem aufgrund von

  • Restriktion
  • Brechen
  • Abführmitteln
  • einseitige/nährstoffarme Ernährung
  • unregelmäßiges Essen
  • Fasten
  • exzessiver Sport

ausbleiben und eine Mangelversorgung hervorrufen. Mit anderen Worten bedeutet das, dass der Körper sich trotz Essen im Hungerstoffwechsel befindet und immer uneffizienter arbeitet. Unsere Zellen bekommen nicht genügend Nährstoffe, obwohl wir theoretisch eine Gewichtszunahme bemerken könnten (durch Fressanfälle mit nährstoffarmen aber kaloriendichten Lebensmitteln).

Daher sind viele Symptome, die man der Anorexie oder Bulimie zuschreibt, eigentlich Symptome des Verhungerns. Dank des Minnesota Starvation Experiments konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass eine Kalorienrestriktion selbst bei “gesunden” Menschen essgestörte Denkstrukturen und Symptome hervorruft.

Diese sind z.B.

  • ein starker Drang, sich an Lebensmitteln zu überessen
  • Verlangen nach hochkalorischen Lebensmitteln
  • eine Zuckersensibilität
  • kein Sättigungsgefühl
  • Obsession mit Essen
  • Verlangen nach Stimulanzien (Kaffee, Nikotin)

Veränderung des Hirnstoffwechsels

Letzteres vor allem ist eine wichtige Erkenntnis zum Besiegen der Sucht. Wenn du wieder einmal den Drang verspürst, dich vollzustopfen oder zu hungern, dann handelt es sich hierbei um Suchtdruck. Zum Suchtdruck gehört das unruhig werden und die kreisenden Gedanken um das Essen. das ist wissenschaftlich bewiesener Fakt. Häufig folgt eine Heißhungerattacke. Dies ist nicht nur ein psychologisches Phänomen, sondern hängt auch mit bestimmten Botenstoffen (Adrenalin & Dopamin) im Gehirn zusammen.
Im Suchtratgeber “Rational Recovery” ist die Rede von 2 Gehirnen. Dem Kleinhirn (Reptiliengehirn) und dem Großhirn (präfrontaler Cortex). Beide haben eine Wirkung auf uns, unsere Gedanken und unsere Bewegungen.

 

Jedes Mal, wenn wir etwas wiederholt tun und dadurch einen Dopaminausschuss erfahren, speichert unser Kleinhirn dies als überlebensnotwendige Aktion ab. In unserem Fall wird also das Vollstopfen von nährstoffdichten Lebensmitteln auf dieselbe Stufe gestellt, wie z.B. das Urinieren, Trinken oder Sex. Es macht hier keine Unterschiede.

Fehlen diese Botenstoffe, geht das Reptiliengehirn von einer lebensbedrohlichen Situation aus. Es sendet Gedanken, die in etwa wie folgt lauten:

“iss das jetzt alles auf”

“du musst essen und auf Nahrungssuche gehen”

Wie können wir nun Widerstand leisten gegen diesen inneren Trieb?

Mit Verstand gegen den Essdrang. Die Methode aus Brain over Binge besagt, dass man diese Gedankengänge bewusst dem “unterentwickelten” Kleinhirn zuordnet und sich entscheidet, NICHT darauf zu reagieren. Das Kleinhirn hat keine Macht über uns, es kann keine Entscheidungen treffen oder Bewegungen ausführen. Dazu ist das weiterentwickelte, rational denkende Großhirn zuständig.
Mit anderen Worten müssen wir dem Druck standhalten, ohne Ersatzhandlung.

Dies geschieht in 3 Schritten:

  1. den Gedanken hören
  2. den Gedanken dem Kleinhirn zuordnen
  3. den Gedanken ohne eine Reaktion als Antwort verabschieden

Diesem “Essdruck” gilt es etwa 15 Minuten stand zu halten. Kathrin beschreibt diesen Vorgang als „to surf the urge“. Erfahrungsgemäß hält dieser aber auch mal länger und mal kürzer an.

Soweit die Theorie.
In der Praxis bedeutet dies aber auch, dass parallel für adäquate Ernährung mit ausreichend Protein zu jeder Hauptmahlzeit gesorgt werden muss. Hierbei dient das strukturierte Essen als hervorragende Stütze.

Wer das Buch lesen möchte, hat derzeit leider nur die Möglichkeit, es auf Englisch zu lesen. Ein ähnlicher Ansatz findet sich aber auch in dem Buch “Zucker und Bulimie” von der deutschen Autorin Inke Jochims.

Als ich das Buch von Kathrin Hansen gelesen habe, fühlte ich eine Erleichterung. Mir wurde endlich klar, dass ich aufgrund der Essstörung noch in der Depression fest saß, und nicht umgekehrt. Daher half auch keine Psychotherapie mehr oder das “Aufwühlen” der Vergangenheit. Das Trauma hatte ich überwunden. Ich hatte kein Bedürfnis mehr, darüber zu reden und benutzte Essen weiterhin aus reiner Gewohnheit ganz unabhängig davon, ob ich glücklich und zufrieden oder traurig war.

Das Buch sagte mir erstmalig DU BIST NICHT KRANK. und bei dir ist auch keine Schraube locker. Du bist Mensch in einem menschlichen Körper, der seine Überlebensinstinkte aktiviert, sobald ihm Nahrung entzogen wird.

Vielleicht fragst du dich jetzt auch einfach mal selbst:

Hat deine Essstörung mit einer Diät angefangen?

Dann wirst du sie vermutlich auch nicht los, in dem du weiterhin Diät hälst.

Wenn sie nicht durch eine Diät kam, dann frage dich bitte:

Ist dieses “Problem” von damals noch akut oder hast du es überwunden?

Auch dieses Hinterfragen kann helfen, dir klar darüber zu werden, welche Schritte du als nächstes in Angriff nimmst (Psychotherapie oder Essverhalten ändern und die Vergangenheit “loslassen”).

Noch mehr Hilfe?

Du benötigst Unterstützung, um deine Denkweise und Beziehung zum Essen für immer zu ändern?
Sende mir einfach eine Nachricht über das Kontaktformular, oder besuche meinen Onlinekurs “deine Kampfansage” !
Mein kostenloser Ratgeber steht dir jederzeit als Download zur Verfügung. Ich freue mich aber auch über deine persönliche Nachricht!

Gemeinsam machen wir dich stark!

Bis bald,

deine Dani von Recoverybuddy

 

 

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