Erfahrungen mit der Essstörung aufschreiben um zu heilen

  • 28. Februar 2020

Interview zum Buch:
Zwischen meinen Worten. – Mounia Jayawanth

Liebe Mounia, du bist Autorin des Jugendromans „Zwischen meinen Worten“ und schreibst auf deinem Blog „Mias Anker“ über Essstörungen und andere seelische Sorgen, Kummer & Beziehungen.

Vielen Dank, dass du dir heute für ein kleines Interview Zeit nimmst – ich freue mich, dass du da bist!

 

1. Wie lange warst du in dem Teufelskreis der Bulimie gefangen und wie lange liegt das jetzt zurück?

 

Ich war vier intensive Jahre im Teufelskreis der Bulimie gefangen. Davor hatte ich anorektische Symptome und danach eine lange Binge Eating Phase. Inzwischen liegt es zwei bis drei Jahre zurück, dass ich weitestgehend symptomfrei lebe.

2. Beruht die Geschichte der Schülerin Lia in “Zwischen meinen Worten” auf wahren Begebenheiten?

 

Nein, das Buch „Zwischen meinen Worten“ ist keine Autobiographie. Die Geschichte und die Figuren sind fiktiv. Trotzdem enthält das Buch viele authentische Gedanken einer Betroffenen und ist durch meine eigene Schulzeit geprägt.

 

3. Du beschreibst das Essen als “deine Droge”. Wie hat sich dein Essverhalten damals geäußert? Was hat es langfristig mit dir gemacht?

 

Ja, das Essen war damals wirklich wie eine Droge für mich, weil ich in einer Sucht gefangen war. Das Essen gab mir Glücksgefühle, einen richtigen „Kick“. Es beruhigte mich, wenn auch nur für einen kurzen Moment. Aber jede Sucht hat ihre Schattenseiten und nimmt mehr als sie gibt. Mit der Zeit wurde ich immer unglücklicher und isolierter. Ich bekam regelrecht Angst vor Essen und konnte es nicht mehr genießen. In meinem Körper fühlte ich mich auch immer unwohler.

 

4. Gab es für dich eine Art „Turning Point“ oder einen Moment, in dem es „Klick“ machte, um zu verstehen, dass das selbstzerstörerische Verhalten keine Lösung darstellt?

 

Einen speziellen Moment gab es nicht, aber irgendwann war ich so unglücklich und einsam wie nie zuvor in meinem Leben und wollte so nicht mehr weitermachen. Zuerst war es nur der Wunsch, dass es irgendwann besser wird. Später habe ich auch aktiv daran gearbeitet.

 

5. Wie hast du es geschafft, den Hebel umzudrehen und dir gegenüber liebevoll zu begegnen? Hat dir das Blog schreiben dabei geholfen?

 

Dieser Prozess kam tatsächlich schleichend. Er hat viele kleinere Schritte erfordert, zum Beispiel, mich zum ersten Mal so richtig mit mir selbst auseinanderzusetzen. Außerdem musste ich lernen, mich selbst zu mögen und zu respektieren, um überhaupt einen Grund zu haben, gesund zu werden.

6. Welche Erkenntnisse hast du für dein jetziges Leben gewonnen?

 

Ich habe viele Erkenntnisse für mein jetziges Leben genommen, aber die wohl wichtigste Erkenntnis ist, dass kein Gewicht der Welt und kein Essen mich jemals glücklich machen wird.

 

7. Was macht dich glücklich? Was schätzt du an deinem jetzigen Leben?

 

Es klingt zwar simpel, aber mich macht glücklich, dass ich lebe. Das Leben mit einer Essstörung ist nämlich kein richtiges Leben, sondern wenn überhaupt nur ein halbes Leben. Was ich heute besonders schätze, ist, dass ich wieder essen und genießen kann, ohne von Ängsten und Zwängen heimgesucht zu werden.

8. Rückblickend gesehen: was stand hinter deinem Essproblem und warum meinst du, hast du Bulimie zu diesem Zeitpunkt „gebraucht“?

 

Was mir viel zu spät klar wurde war, dass es mir eigentlich gar nicht ums Essen ging. Viel zu lange wollte ich das Problem „Essen“ in den Griff kriegen, dabei lag der Ursprung viel tiefer. Das Essen und der Fokus auf meinen Körper waren im Grunde nur ein Ersatz und ein Ventil für meinen Selbstwert. Vor allem aber wollte ich mit dem Essen die innere Leere und Einsamkeit füllen.

 

9. Was hat dir dabei geholfen, die Hintergründe zu verstehen? (Was war für dich heilsam und wirksam bei der Überwindung der Essstörung?)

 

Einerseits hat mir eine Verhaltenstherapie sehr dabei geholfen, meine Hintergründe zu verstehen. Es war aber auch sehr hilfreich für mich, über meine Essstörung in meinem Blog zu schreiben, da ich mich dort mit anderen Betroffenen austauschte und mich zum ersten Mal anderen Menschen mitteilen konnte.

 

10. Was war dann letztendlich deine Motivation, deine Erfahrungen in einer Story zu verpacken und ein Buch zu schreiben? Für wen ist das Buch gedacht, und was soll es im Leser bezwecken?

 

Ich liebe es zu schreiben, daher war es schon immer ein Traum von mir, ein Buch zu veröffentlichen. Und da das Thema Essstörung jede Altersklasse betrifft, wollte ich nicht nur meine hauptsächlich erwachsenen Leser vom Blog, sondern auch die Jugend erreichen. Ich dachte daran, dass Jugendliche wohl eher Romane als Sachbücher lesen würden, und entschied mich schließlich dazu, einen Jugendbuchroman zu schreiben, in dem sensible Themen, wie Essstörungen, andere psychische Krankheiten sowie Rassismus in eine Geschichte eingebettet werden. Das Buch soll aufklären, aber Betroffenen auch Repräsentation geben. Es soll sie aber auch dazu motivieren, sich anderen zu öffnen und Hilfe zu suchen.

 

11. Wie kann man deiner Meinung nach mehr Bewusstsein schaffen für das Thema Essstörungen im jungen Alter?

 

Ich würde mir wünschen, in weiteren Unterhaltungsmedien, zum Beispiel in Filmen, Serien oder Büchern von Essstörungen zu erfahren. Repräsentation ist unsagbar wichtig, denn auf diese Weise erreicht es viele Menschen und schafft ein erstes Bewusstsein für Themen. Außerdem wünsche ich mir, dass das Thema Essstörungen viel intensiver in Schulen behandelt wird.

 

12. Wie sehen deine Pläne & Projekte für die Zukunft aus?

 

Ich möchte mich weiterhin der Aufklärungsarbeit von Essstörungen und dem Schreiben von Büchern widmen. Derzeit arbeite ich an dem zweiten Teil des Buches „Zwischen meinen Worten“. Dort soll der Fokus allerdings nicht auf Essstörungen, sondern auf einer anderen psychischen Krankheit liegen.

 

13. Gibt es etwas, was du meinen Lesern mit auf den Weg geben willst?

Egal, wie allein ihr euch auch fühlen mögt, ihr seid es nicht! Es gibt viele, die denselben Weg gehen wie ihr. Der Weg ist hart, aber am Ziel wartet die Freiheit auf euch! <3

 

14. Wo findet man mehr über dich, dein Buch und deinen Blog?

 

Ihr könnt mich neben meinem Blog auch bei Instagram unter dem Namen miasanker finden! 🙂
Mein Buch “Zwischen meinen Worten” gibt es hier auf Amazon zu kaufen.

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Vielen herzlichen Dank, dass du dir die Zeit genommen und die Fragen beantwortet hast. Für deinen weiteren Weg wünsche ich dir alles Liebe & Gute und natürlich auch weiterhin viel Erfolg!

 

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