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Essstörung loslassen und das Gefühlschaos sortieren

  • 11. März 2018

In der Genesung von einer Essstörung kann es manchmal schwierig sein, Emotionen anzunehmen und auszudrücken. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass jegliche Gefühlslagen oft einfach unter „Ich fühle mich fett und wertlos“ abgelegt werden.

„Ich fühle mich fett“ ist ein Satz, den ich damals öfter gedacht, geschrieben oder gesagt habe, als mir lieb ist. Erst im Genesungsprozess wurde mir klar, dass dieses „fett“ gar kein Gefühl ist. Dennoch bin ich nicht die Einzige, die dies regelmäßig gefühlt  und alle anderen negativen Emotionen damit über einen Kamm geschert hat.

Und das ist nur logisch.

Wir Menschen wollen negative Gefühle vermeiden. Sie sind unbequem für uns uns und deshalb neigen wir dazu, sie entweder zu unterdrücken, oder vor ihnen wegzulaufen.
Dieses automatisierte Verhalten führt aber langfristig dazu, dass weitere unangenehme Emotionen aufkommen und du dich schon bald überfordert fühlst. Das Vermeiden dieser Gefühle kostet nämlich Energie und Kraft – so viel, dass viele Menschen daran psychisch zu Grunde gehen können.

Ich lerne jetzt, mit diesen Gefühlen zu sitzen

– sie einfach als kleine Botschaften an mich selbst zu erkennen, wie ein Licht auf dem Armaturenbrett eines Autos, das einen leeren Tank oder einen Motorschaden anzeigt.

Natürlich ist es für unser Unterbewusstsein immer noch häufig einfacher und bequemer, sich einfach nur „fett und schlecht zu fühlen“. „Fett“ ist ein vertrautes Gefühl, aber du solltest herausfinden, was wirklich dahinter steht, um zu erkennen, was dich von den essentiellen Schritten abhält und an der Essstörung festhalten lässt.

Oft schoss mir dieses „ich fühle mich fett“ durch den Kopf, nachdem ich mir erlaubt hatte, zu essen oder neues „Fearfood“ integriert hatte. Logischerweise ist es aber völlig unmöglich, dass ich in dieser Zeit eine spürbare oder signifikante Gewichtszunahme gehabt haben könnte. Mein Körpergefühl vermittelte mir trotzdem, ich sei ein Ballon…

Das dominierende Gefühl dahinter ist ANGST.

Die Angst vor einer MÖGLICHEN Gewichtszunahme.

Ich möchte dir in diesem Artikel 3 praktische Tipps an die Hand geben, die dir dabei helfen sollen, deine Gefühle klarer zu definieren und sie „auszuhalten“ oder es zumindest schrittweise zu lernen. Dieses Thema sollte auch Bestandteil deiner ambulanten Therapie sein, sofern du eine in Anspruch nimmst:

1) Atme tief durch und übe, präsent zu sein.

Das Wort „Fett“ ist durch unsere schwierige Vergangenheit mit dem gestörten Essverhalten negativ belastet und oftmals an unser Essen und Lebensmittel gebunden. Dieses einzelne Wort kann daher eine Lawine an negativen Emotionen auslösen – von Panik bis hin zum Selbsthass. Kommt dir das bekannt vor?
Es beeinflusst sogar dein späteres Handeln, sodass du im weiteren Verlauf wieder dazu neigst, dein Essen einzuschränken oder mit anderen Kompensationsmaßnahmen entgegen zu wirken.

Der einfachste Weg, dies zu verhindern, ist, den freien Fall frühzeitig zu stoppen. Sobald ich diese vertraute, panikartige Gefühl anfliegen sehe, sage ich (innerlich oder manchmal sogar laut) „Stop!“

Bevor mich diese Gedankenflut erreicht und beeinflusst, atme ich tief durch und versuche, den Prozess zu stoppen. Selbst ein paar Sekunden Atemübung und Achtsamkeit sind ausreichend und unglaublich hilfreich, um den Kreislauf zu durchbrechen.

2) Schaue, was sich dahinter verbirgt.

Der nächste Schritt besteht darin, unter der Oberfläche zu graben und zu verstehen, was wirklich in dir vor geht.
Das könnte im Moment noch zu schwierig für dich sein, und das ist in Ordnung. Es reicht schon, wenn du erkennst, dass es in dir eine zugrunde liegende Emotion gibt – auch wenn du sie noch nicht benennen oder unterscheiden kannst. Mache dir einfach bewusst, dass dein Verstand dich austricksen möchte, um das wahre Gefühl dahinter zu unterdrücken. Es geht in diesem Moment NICHT um dein Gewicht oder irgendwelche Maße – Nein. Das Problem ist immer ein anderes…

Um herauszufinden, um was es sich handelt, kannst du beispielsweise beginnen, ein (Gefühls)Tagebuch zu schreiben. Übe dich darin, indem du immer wieder versuchst, diesen Satz zu vervollständigen: „Ich fühle mich…“ und liste alle Gefühle auf, die dein Körper wirklich spüren kann! Diese Liste hilft dir dabei;)

Dieses ist eine hervorragende Methode, um mit dir selbst und deiner Gefühlswelt in Verbindung zu treten. Wenn du dich kontinuierlich darum bemühst, werden dich die negativen Gedanken und Lügen nicht mehr länger beherrschen.

3) Versuche, ein Muster zu erkennen.

Weil ich gewisse Denk- und Verhaltensmuster hinter der Essstörung verstanden und erkannt habe, war es mir erst möglich, erfolgreich von der Essproblematik zu genesen.
Wenn du die Schritte 1 und 2 wiederholt und geübt hast, kannst du vielleicht schon erkennen, welche inneren Konflikte in welcher Situation auftreten. Welches sind die Auslöser und welche Gedanken und Gefühle verursachen sie? Wenn dir selbst einmal bewusst wird, was dich wirklich bewegt und dir Sorgen bereitet, kannst du nicht nur gezielter darauf reagieren, sondern auch Lösungen finden, BEVOR die negativen Gedanken und Gefühle entstehen.

Beispiel: Du befindest dich in einer Situation, in der du dich kritisiert oder verletzt fühlst. Mache dir im Voraus bewusst, dass dein innerer Kritiker gerade JETZT die Lügen auftischen möchte, die dich früher oder später wieder in ein Gefühlschaos und eine Gedankenspirale versetzen. Auf diese Weise bist du vorbereitet und kannst reagieren. Wie? Mit selbstliebenden Maßnahmen. Finde deine eigene Ruheinsel, in der du tief einatmen und präsent sein kannst. Diese kannst du dir gedanklich kreieren, oder einen physischen Ort dafür aufsuchen, der für dich Frieden und Ruhe symbolisiert.

Für mich ist dieses „Fettgefühl“ heute einfach nur ein inneres Zeichen, dass ich Gefühle erlebe, die mir (noch) schwer fallen.

Sie stellen vielleicht eine Herausforderung dar, aber sind nicht da, um mich herunterzuziehen. Ich soll mich dieser Herausforderung stellen – sie haben einen Sinn und einen Zweck. Bestimmte „Genesungswerkzeuge“ wie die oben genannten Beispiele helfen dir in diesem Lernprozess. Mit Bewusstseins- und Achtsamkeitsübungen schaffst du eine starke Waffe FÜR die Genesung und GEGEN die schädlichen Gedanken der Essstörung.

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Gemeinsam machen wir dich stark!

Bis bald,

deine Dani von Recoverybuddy

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