Kalorienbedarf in der Genesung

  • 5. November 2016

Wenn du dir meine älteren Beiträge durchgelesen hast, weißt du bereits, dass es zwingend notwendig ist, die Kalorien und sich selbst nicht mehr zu limitieren. Zudem ist es ratsam, den Sport einzuschränken oder gar komplett zu vernachlässigen. Das hat einen guten Grund: dein Körper soll sich ausruhen und wissen, dass du ihn nicht mehr einer konsequenten Stressbelastung aussetzt. Bei vielen ist dies dringend notwendig – ihr Körper ist ausgebrannt. Doch ich kann auch verstehen, wenn es dich anfangs überfordert, mehr zu essen undq nicht zu trainieren.

Viele befürchten, dass ihr Körper dann nicht nur außer Kontrolle, sondern auch aus der Form gerät.

Sie haben große Angst vor der Gewichtszunahme und denken, dass sie nicht mehr aufhören zuzunehmen, wenn sie ihre Kalorien nicht einschränken.
Viele bringen das Argument, ihr Stoffwechsel sei schon zu ruiniert, um bei einer „normalen“ Kalorienzufuhr ihr Gewicht zu erhalten. Sie bemerken parallel zudem, dass ihr Hunger mit jedem Tag größer und größer zu werden scheint (Extremhunger). Ein altbekanntes Phänomen, vor dem viele zurückschrecken und mit erneuter Restriktion entgegensteuern.

Doch schauen wir uns mal unseren Körper von der biologischen (und nicht der mathematischen) Seite an. Denn speziell bei Menschen mit einer Essstörung ist der Körper nicht mehr so einfach „berechenbar“, wie wir oft denken. Den Gesamtbedarf an Kalorien auf die Zahl genau auszurechnen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Zu viele Faktoren spielen hierbei eine Rolle: der Grundbedarf, die Gene, der Muskelanteil, der gesamte Tagesanblauf…

Es ist nicht so, dass wir uns bei einer Zahl festnageln können. Hinzu kommen die Faktoren der Essstörung: Kalorienrestriktion, Essattacken und Kompensationsmethoden. Dies alles führt dazu, dass der Stoffwechsel NICHT beschleunigt wird. Und viel schlimmer: das Hunger- und Sättigungsgefühl wird sich so lange nicht regulieren, bis die Restriktion aufhört!

Unser Körper muss biologisch betrachtet werden, nicht mathematisch. Genau so, wie er unbewusst weiß, dass er atmen muss, weiß er, dass er das Körpergewicht innerhalb einer gesunden Spanne halten muss. In der Natur gilt es als unnatürlich, Gewicht zu verlieren. Denn dies verhindert die Fortpflanzung. Schaut man sich Tiere an, so weiß man, dass auch eine Gewichtszunahme nicht auf natürliche Weise vorkommt. Es sei denn, diese Tiere sind Teil eines Versuchs und werden für eine begrenzte Zeit auf Diät gesetzt, oder sie fressen sich einen Vorrat zum Überwintern an (was wiederum wieder nur der Fortpflanzung dienen würde).  Wir müssten nur unserem natürlichen Hunger- und Sättigungsgefühl folgen und das System nicht durch Diäten durcheinander bringen.

Im Juni 2011 fanden die Ärzte Barry Popkin und Kiyan Duffey heraus, dass die durchschnittlich konsumierten Kalorien pro Tag zwischen 1977 und 2006 um 570 kcal gestiegen waren. Mathematisch gesehen, würde das bedeuten, dass der durchschnittliche Mensch etwa 215 Kilogramm zugenommen haben müsste seit 2006, wenn die Kalorien rein = Kalorien raus – Theorie stimmen würde. Tut sie aber nicht.

Wenn wir mehr trinken, urinieren wir mehr. Wenn wir mehr einatmen, atmen wir auch mehr aus.  Beim Essen verhält es sich nicht anders. Wenn wir mehr essen, verbrennen wir auch mehr. Es ist bewiesen, dass Menschen, die mehr essen, auch einen schnelleren Stoffwechsel haben. Diese Leute musst du nicht dafür beneiden, sondern kannst selbst etwas dafür tun, indem du mehr isst und nicht mehr deine Kalorienzufuhr einschränkst. So reparierst du auch wieder deinen Stoffwechsel und nimmst nicht endlos zu, wie oftmals befürchtet.

Eine Diät unterdrückt den Stoffwechsel, so dass du sofort wieder anfänglich zunimmst, wenn du nur ein bisschen erhöhst. Das bedeutet nicht, dass dein Grundumsatz nun für immer so niedrig liegt.  Daher iss immer genug, damit der Stoffwechsel heilen kann!
Das Gewicht, welches du in dieser Zeit zulegst, ist temporär und verschwindet wieder auf ganz natürliche Weise (wenn es über dem Normalgewicht liegen sollte). Doch du musst deine Körperfunktionen erst wieder auf Vordermann bringen, bevor dies geschehen kann. Ein vollständig reparierter Körper wird das Gewicht nämlich auf folgende Weise wieder los:

  • er verbraucht Energie um den Stoffwechsel zu steigern
  • der Hunger wird geringer (Essen immer uninteressanter)
  • die neu gewonnene Energie wird für mehr körperliche Aktivität genutzt
  • die Pulsrate wird erhöht
  • die Körpertemperatur wird gesteigert
  • die Rate zur Lipogese wird erhöht
  • usw…

Mit anderen Worten: eine normale, gesunde Person nutzt die zusätzliche Energie sofort für andere Funktionen, wenn die Kalorienzufuhr einmal höher liegt. Ich selbst spüre das jedes Mal, wenn ich einmal mehr gegessen habe: ich habe mehr Energie und mache/erledige automatisch auch mehr. Dein Körper arbeitet immer mit dir und nicht gegen dich. Wenn du achtsam bist, wirst du am nächsten Tag merken, dass déin Hunger nicht mehr so ausgeprägt ist, wie am Tag zuvor. Er balanciert alles wieder von selbst aus. Weil er keine Maschine oder ein geschlossenes System ist, sondern ein biologischer Körper, der beeinflussbar ist.

Deshalb müssen wir nicht unsere Kalorien tracken, oder innerhalb einer bestimmten Kalorienzahl bleiben. Unser Körper reguliert sich selbst!

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Gemeinsam machen wir dich stark!

Bis bald,

deine Dani von Recoverybuddy

2 Comments on Kalorienbedarf in der Genesung

  • Anna says:
    24. Dezember 2019 at 12:28

    Hallo, ich hab mal eine Frage, die mich schon länger beschäftigt. Ich befinde mich auf dem Weg der Genesung, esse jedoch im Durchschnitt 2200 kcal (auch ohne akribisches Zählen), was über meinem Bedarf vor der Esstörung ist. Ich fühle mich dabei meistens voll aber ich schränke mich wenig ein – wenig weil: wenn ich Heißhunger auf etwas bekomme, steuere ich dem Heißhunger entgegen, wie mit meiner Therapeutin besprochen, esse danach jedoch die ersehnte Schoki/Kuchen/Eis/Brot/Nussmus/… und fühle mich dann seelisch befriedigt, was bei den akuten Hungerattacken nicht der Fall ist.
    Welche unterschiedlichen Auswirkungen hat es auf den Stoffwechsel und die Genesung, wenn ich bei in etwa dieser Kalorienzahl bleibe im Gegensatz zu den 3000kcal? Geschehen Zunahme und Reparatur so nur langsamer oder ist dann was „blockiert“? Nach meiner Stuhlgangfrequenz & -volumen scheint mein Stoffwechsel wieder sehr gut zu arbeiten. 😀

    Liebe Grüße, Anna

    Antworten

    • Daniela Convertini says:
      29. Dezember 2019 at 14:29

      Hallo liebe Anna,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich finde es gut und auch mutig von dir, dass du deine Zufuhr schon gesteigert hast.
      Dauerhaft wirst du mit der Menge aber weder deinen körperlichen noch emotionalen Hunger stillen können. Ob du mit 2200 kcal auch ein gesundes Gewicht erreichst und dich von der Obsession mit dem Essen befreist, ist die nächste Frage. Ich glaube, eher nicht.. Nutze die Zeit, in der du noch zunehmen musst und gehe in „die vollen“, wenn du 2200 essen kannst, kannst du auch 2500 – 3000 essen, zunehmen wirst du eh. Nur mit mehr enden die Essanfälle schneller und die Zunahme auch.

      Gehe mit deinem Bauchgefühl:)

      Herzliche Grüsse, Deine Dani

      Antworten

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