Nahrungszufuhr steigern und das Refeeding-Syndrom umgehen nach Magersucht

  • 12. Mai 2019

Isst du unter 1000 kcal und bist im Untergewicht? Dann kann dein Zustand bereits lebensbedrohlich sein!

Das Refeeding-Syndrom

Die mit der Magersucht einhergehende Unterernährung wirkt sich auf ALLE deine Systeme des Körpers negativ aus. Daher ist die erste Maßnahme in der Rehabilitationsklinik die Wiederherstellung deines Gewichts und die Versorgung deiner Körperzellen und Organe. Dies kann mehrere Monate und sogar Jahre dauern. Das Zielgewicht, mit dem du ggfs. entlassen wirst, ist noch lange nicht dein gesundes Gewicht, oder mit einem stabilen Gesundheitszustand gleichzusetzen.

Patienten mit Anorexia Nervosa sollten in der Regel unter der Aufsicht eines Behandlungsteams stehen, zu dem in der Regel ein Arzt, ein zugelassener Ernährungsberater, ein Psychotherapeut und ein Psychiater gehören(!)

Denn jeder, der mit der Rehabilitation beginnt, muss sich des potenziell tödlichen Refeeding-Syndroms bewusst sein.

Mit diesem Artikel möchte ich die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen vorstellen, um diesen möglichen Nebeneffekt zu vermeiden. Es bedarf nämlich an Struktur, den richtigen Mahlzeiten und zusätzliche Strategien zur Gewichtszunahme und  zur Bewältigung gemeinsamer Herausforderungen in der Genesung.

Vermeidung des Refeeding-Syndroms

Das Refeeding-Syndrom tritt durch zu hohe Nahrungszufuhr ein, besonders hoch ist das Risiko bei Betroffenen, die ihre Zufuhr längere Zeit unter 1000 kcal gehalten haben. Bestimmte Blutwerte weisen auf Elektrolyt- und Flüssigkeitsverschiebungen im Zusammenhang mit Stoffwechselanomalien hin.

Plötzlich wird für den unterernährten Körper sogar das Essen gefährlich. Warum? In der Hungerphase haben sich Ketonkörper und freie Fettsäuren gebildet. Man nennt diesen Zustand Ketose, oder Fettstoffwechsel. Einem unterernährten Körper fehlt vor allem Glukose (Einfachzucker). Er ist der wichtigste Energielieferant, daher verhungern nicht nur die Zellen, sondern auch deine Organe.

Wird in diesem Zustand viel Nahrung zugeführt, findet eine Verlagerung vom Fett- zum Kohlenhydratstoffwechsel statt. Das freigesetzte Insulin in der Bauchspeicheldrüse erhöht die zelluläre Aufnahme von Glukose, Phosphat, Kalium, Magnesium, Natrium und Wasser. Dein Körper ist dann gefährdet, nicht genug von diesen lebenswichtigen Nährstoffen im Blut zu haben. Zu den klinischen Folgen können unregelmäßige Herzfrequenz, eine Herzinsuffizienz, Atemversagen, Koma, Anfälle, Schwäche der Skelettmuskulatur und Hirnschäden gehören.

Um das Refeeding-Syndrom zu vermeiden, müssen die Phosphor-, Magnesium-, Kalium-, Kalzium- und Thiaminwerte in den ersten 5 Tagen und jeden zweiten Tag über mehrere Wochen überwacht werden. Es sollte auch ein Elektrokardiogramm (EKG) durchgeführt werden. Eine strenge medizinische Aufsicht ist erforderlich.

Das National Institute for Health weist darauf hin, dass ein erhebliches Risiko für das Refeeding-Syndrom besteht, wenn der Patient vor der Behandlung weniger als 1000 kcal konsumiert hat. Das Risiko des Refeeding-Syndroms steigt mit den folgenden Faktoren stark an:

Patienten, die einen der folgenden Indikatoren haben:

– Bodymassindex (BMI) von weniger als 16
– Gewichtsverlust von mehr als 15 Prozent in den letzten 3-8 Monaten
– Wenig oder keine Nahrungsaufnahme für mehr als 10 Tage
– Niedriger Kalium-, Phosphat- und/oder Magnesiumgehalt vor dem Refeed

Patienten, die zwei oder mehr der folgenden Indikatoren haben:

– Körpermassenindex von weniger als 18,5 %
– Gewichtsverlust von mehr als 10 Prozent in den letzten 3-6 Monaten
– Wenig oder keine Nahrungsaufnahme für mehr als 5 Tage
– Vorgeschichte von Alkoholmissbrauch oder Drogen, einschließlich Insulin, Chemotherapie, Antazida oder Diuretika

Unter diesen Bedingungen muss die Nährstoffversorgung langsam erfolgen, um ein mögliches Refeeding-Syndrom zu vermeiden. Ein medizinisches Team ist notwendig, einschließlich eines Arztes und eines zugelassenen Ernährungswissenschaftlers (RDN), um die tägliche Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme zu berechnen, zu überwachen und zu erhöhen, sowie Plasma- und Harnelektrolyte, Plasmaglukose, Vitalfunktionen und Herzrhythmus vor und während der Rückfütterung zu überwachen.

Ernährungsrichtlinien

In der Genesung von einer Magersucht ist es nicht ungewöhnlich, dass der tägliche Kalorienbedarf von Betroffenen zwischen 3000 – 5000 Kalorien täglich beträgt, um eine gesunde Gewichtszunahme von 0,5 -1 kg pro Woche zu erreichen, bis das Zielgewicht erreicht ist. Dies gilt insbesondere für Jugendliche, die noch im Wachstum sind, und junge Erwachsene.

Eltern und Patienten sind oft verwirrt über den hohen Kalorienbedarf. Warum muss so viel Nahrung zugeführt werden? Menschen mit Anorexia Nervosa werden oft hypermetabolisch, was bedeutet, dass ihr Stoffwechsel in Schwung gekommen ist, während der Körper versucht, das gesamte Gewebe, das während des Hungers verloren gegangen ist, wieder aufzubauen. Betroffene erleben häufig eine erhöhte Körpertemperatur (Thermogenese), da die Energieaufnahme in Wärme umgewandelt und nicht nur zum Aufbau des Gewebes verwendet wird. Dieses paradoxe Symptom macht die Genesung noch schwieriger.

Darüber hinaus bewegen sich viele Patienten mit Anorexie/Magersucht auch bei starker Auszehrung übermäßig viel. In der Regel wird Bewegung in der Anfangsphase der Genesung auch medizinisch NICHT empfohlen.

Auch wenn eine erhöhte Kalorienzufuhr bei Menschen mit Anorexia nervosa eine erhebliche Angst hervorruft, ist jedoch unerlässlich, eine ausreichende Kalorienzufuhr zu gewährleisten, damit sich der Körper vollständig erholen kann. Der Kalorienbedarf sollte jeweils von einem Ärzteteam oder Ernährungsberater errechnet werden. Das Wiedereinsetzen der Menstruation bei Frauen ist entscheidend.

Empfohlene Richtlinien für Mahlzeiten

Wenn das Refeeding-Syndrom ausgeschlossen wurde, ist folgende Herangehensweise ratsam:

Tag 1-4: 1.200-1.600 Kalorien/Tag
Tag 5-7: Wenn keine Gewichtszunahme beobachtet wird, erhöhe um 400 Kalorien pro Tag auf 1.600-2.000 Kalorien/Tag
Tag 10-14: Wenn die Gewichtszunahme nicht 0,5 kg bis 1 kg pro Woche erreicht, erhöhe die tägliche Zufuhr wieder um 400-500 Kalorien/Tag auf 2.000-2.500.
Tag 15-21: 2.500-3.000 Kalorien/Tag
Tag 20-28: 3.000-3.500 Kalorien/Tag

Denke daran, dass der Kalorienbedarf mit zunehmendem Gewicht steigt. Daher benötigen Patienten, die sich von der Anorexia Nervosa erholen, in der Regel eine erhöhte Kalorienzufuhr, um eine stabile Gewichtszunahme aufrechtzuerhalten. Aus diesem Grund sind wöchentliche Wiegetermine beim Arzt, die den Fortschritt dokumentieren, wünschenswert. Wenn die Gewichtszunahme stagniert oder verlangsamt, muss die Kalorienzufuhr erhöht werden.

Das Rezept eines erfolgreichen Essplans

Wir von Recoverybuddy können dir dabei helfen, einen individuellen Essplan mit Steigerungsmöglichkeiten und einer großzügigen Austauschliste zu erstellen. Einen Beispielplan über 3.000-Kalorien findest du hier. Das Angebot zur Essplan-Erstellung hier.

Eine gute erste Faustregel sind drei 500- bis 800-kcal Mahlzeiten plus mindestens drei 300-kcal Snacks (nachdem das Refeeding-Syndrom ausgeschlossen wurde!). Zu den Hauptmahlzeiten sollten alle 3 Makronährstoffe zugeführt werden (Protein, Kohlenhydrate, Fett) ohne direkten Fokus auf Kalorien. Eine gesunde Verteilung wäre 50-60% der Gesamtkalorien aus Kohlenhydraten, 15-20% aus Proteinen und 30-40% aus Nahrungsfetten, um den Stoffwechsel wieder zu regulieren. Eine Austauschliste hilft dabei, flexibel zu bleiben. Jeder „Tausch“ entspricht einem bestimmten Lebensmittel und seiner Portionsgröße. Dies ermöglicht eine ausgewogene Ernährung ohne viel Rechnerei und Planung

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Gemeinsam machen wir dich stark!

Bis bald,

deine Dani von Recoverybuddy

 

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