Erfahrungsberichte

Sinn der Essstörung? Vom Nehmen und Geben

  • 17. März 2018

Heut Vormittag ging mir ein neues Lämpchen an. Nicht ein kleines Mini-Lichtlein. Es kam kurz, wie ein Blitz in meinen Kopf. Kam noch mal – stärker – und noch stärker. Es blieb. Strahlte heller und heller. Jetzt ist es ein Flutlicht geworden, dass durch meinen ganzen Körper strahlt und neue Blickwinkel ausleuchtet. Wärmt. Ermutigt. Stärkt. Mich lächeln lässt. Kraft spendet.

Ich habe etwas kapiert. Es war so:

Der Wecker klingelt wie jeden morgen. Total gerädert und schwach drück ich die Schlummertaste. 1x. 2x. Heut sogar ein drittes mal. Dann halt mal wieder schnell machen. Kinder anmotzen. Herzschmerzen und Schwindel aushalten und unterdrücken. Frühstück und Pausenbrote richten. Im Spiegel feststellen, dass man mal wieder nur rote Augen hat und einfach scheiße aussieht. Wozu leb ich eigentlich??

Kinder zum Bus fahren. Wieder heim. 2 Stunden Zeit, bis ich wieder los muss.

So.

Heut bin ich soo müde, dass ich mich kaum zum Essen überreden kann. Und das ist selten. Normalerweise hab ich um diese Zeit den ersten Anfall um Müdigkeit, Scham über die Unfähigkeit „normal“ zu leben wegzukotzen.

Da kam mir die Idee, mich einfach gleich noch mal schlafen zu legen. Hey Leute, ihr könnt das vielleicht verstehen. Für jeden nicht Essgestörten muss das so banal klingen, dass er mir sicherlich den Vogel zeigen würde.

Also hab ich mich einfach hingelegt anstatt mich in den nächsten Supermarkt zu begeben.

Es war so wohlig weich warm und gemütlich. Ein einmaliges Gefühl der Entspannung stellte sich ein. Ich konnte genießen!!! Wow! Ohne Stress. Du musst jetzt dies, du musst jetzt das. Ich hatte kein schlechtes Gewissen, dass ich einfach nichts tue. Ich konnte meine Gedanken einfach fließen lassen und versuchte erst gar nicht sie zu steuern.

Dadurch muss es passiert sein. Dass mir so tolle Ideen und Ansätze in den Kopf geflüstert wurden.

Das erste war:

Kuck mal Marie, wie gut das tut, zu liegen!

Du darfst das doch. Du hast gesagt du möchtest heilen. Dann heile doch! Ruhe dich aus und mach dir keinen Druck! Alles ist gut. Du bist behütet. Du trägst keine Schuld.

Und diese Stimme war so liebevoll.
Mir liefen die Tränen. So eine Erlösung.
Ich fühlte mich wie ein Baby in starken Armen gewiegt.

So kostete ich diesen wunderschönen Moment aus, bis es weiterging mit Nachdenken.

Mir schoss meine Jugendzeit ein. Am Abend hatte ich einen Platz im Auto zu einer Party ergattert. Fix und fertig gestylt stand ich mit einer neuen Bekannten am Parkplatz. Das Auto mit dem hübschen Fahrer auf den ich länger schon ein Auge geworfen hatte kam, lud die Bekannte ein und ließ mich stehen, das kein Platz mehr war.

Man gab mir einen Platz und nahm ihn wieder.

Nächstes Szenario

Erster Freund, große Liebe. Ich wohnte unter der Woche etwas entfernt, aufgrund meiner Lehrzeit. Mein Freund ging fremd.
Man gab mir Liebe und nahm sie wieder.

Weiter

Nächste Liebe. Hochzeit. Zwei wunderbare Kinder. Geniales Familiengefühl. Mein Mann stirbt bei einem Unfall.

Man gab mir Geborgenheit und nahm sie wieder.

Ich könnte ewig so weitermachen. Scheinbar ist mein Leben so ausgerichtet. Bekommen, und wieder abgeben müssen.

So muss ich mir das wohl eingeredet haben. Ich esse – und gebs wieder her. Ich darf ja nichts behalten…

Aber hey! Das ist doch normal!!! Das Leben BESTEHT aus Geben und Nehmen. Und wieder Nehmen und Geben! Nicht nur bei mir. Nicht nur bei dir! Bei ALLEN! Mit ALLEM!

Und da hockt der entscheidende Punkt! Ich war wohl in Selbstmitleid verfallen. Ich dachte wohl echt, dass ich das ärmste Würstchen der Welt sei, dem ALLES, IMMER genommen würde. Das ist nicht wahr! Denn ich habe es zum Teil freiwillig hergegeben oder mir nehmen lassen. Und jetzt ist Schluss!

Ich habe das Recht darauf gewisse Dinge zu behalten! Zu erhalten! Klar, nicht bei Allem im Leben können und dürfen wir Gott spielen.

Aber ich darf sagen, Nein!

Mein Auto, von dem ich mein Leben lang geträumt habe werde ich nicht verkaufen weil ich es mir nicht mehr leisten kann, da ich mein Geld im Klo runterspüle!

Nein! Du musst kein schlechtes Gewissen haben wenn du zur Heilung  mehr Schlaf brauchst und den Vormittag ruhst anstatt den Haushalt zu richten.

Du darfst essen. Du darfst dich lieb haben!

Boah man.
Wie einfach.
Scheiß einfach.
Und ich stand auf, kochte mir eine wunderbare, stärkende Suppe.

Und durfte sie behalten.

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Bis bald,

deine Dani von Recoverybuddy

5 Comments on Sinn der Essstörung? Vom Nehmen und Geben

  • Steph says:
    18. März 2018 at 12:48

    Toller Beitrag! Alles Gute für die Verfasserin! Ich wünsche ihr, dass sie ab jetzt alles ihr liebe behalten darf und dass ein schönes Leben in den Vordergrund rückt, statt der Essstörung!

    Antworten

  • Pia Knöller says:
    18. März 2018 at 19:03

    Super schön wenn man die liebe beibehalten kann. Ich spüre sie oft , kann es aber leider nicht behalten weil Zweifel und Angst sie zunichte machen.

    Antworten

  • Ute says:
    19. März 2018 at 8:17

    Das ist ein sehr schöner und ehrlicher „Leser“brief…ich könnte einiges darin auf mich projizieren.
    Es ist wichtig solche „Erkenntnisse“ vor allem für sich wahrzunehmen, das gelingt nicht vielen, es ist ein Geschenk
    und ich hoffe dass die Autorin sich immer wieder darauf
    beziehen . Am besten gefällt mir der Bezug Nehmen und Geben – Geben und Nehmen.
    Ja – Essen ist ein nehmen- man kann es auch geben. Und ja, dass wir essen dürfen ist auch keine Selbstverständlichkeit auch wenn wir das denken und so damit leben.
    Liebevoll mit sich umgehen – das müssen wir alle wieder lernen und ich find es so genial wie das hier geschehen ist.
    Vielleicht ganz wichtig : Nicht an der Vergangenheit kleben bleiben sondern daraus „lernen“ .
    Grüße
    Ute

    Antworten

    • Ute says:
      19. März 2018 at 8:19

      …hab einen Fehler drin : dass die Autorin sich darauf beziehen KANN…..

      Antworten

  • waidlerbua says:
    19. März 2018 at 20:23

    Gänsehaut pur beim Lesen. Alles Gute für den Recovery-Prozess an die Verfasserin. Vielleicht erfaßt mich ja auch irgendwann mal so ein Licht . . .

    Antworten

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