Warum Erbrechen langfristig nicht die Lösung ist

  • 3. Oktober 2017

Ich bin ehrlich zu euch… Es gab eine Zeit, da war ich stolz darauf, dass ich so „gut“ erbrechen konnte. Dazu brauchte ich nicht mal meine Hände, oder andere Werkzeuge. Ich hatte einen so starken Reflex entwickelt, dass ich sogar Mahlzeiten erbrach, die für mich kopfmäßig ok waren. Nach 9 Jahren war es für mich normal, nach jedem Essen zu erbrechen. Es wurde zur Normalität. Wenn ich Versuche startete, normal zu essen, war dies nicht möglich, weil ich befürchtete, übermäßig zuzunehmen.

Ich hatte auch immer gedacht, dass das Erbrechen eine Möglichkeit wäre, das Gewicht zu halten, aber die Waage zeigte mir die Realität, denn mein Gewicht ging trotz Bulimie stetig nach oben.

Ich hatte mir nie allzu große Gedanken darüber gemacht, wie viel ich wohl erbrechen würde. Lange Zeit ging ich davon aus, dass es wohl mindestens die Hälfte sein müsste, aber da ich so „gut“ war, vielleicht eher 70-80%.
Aus diesem Grund möchte ich heute mit Hilfe von Studienergebnissen veranschaulichen, warum das Erbrechen langfristig keine Lösung darstellen kann!

Hätte ich einfach eine normale Mahlzeit zu mir genommen, hätte ich weniger Kalorien verdaut, als ich durch den Essanfall und das anschließende Erbrechen zugeführt hatte.

Und ich gehe davon aus, dass es bei dir auch so ist!

Du möchtest Beweise? Dann los …

Erbrechen im Labor

Ich möchte dir kurz die Ergebnisse einer Studie vom Pittsburg Human Feeding Laboratory vorstellen:

Dort wurden 18 bulimische Frauen gebeten, ihre Mahlzeiten zu erbrechen (wie sie es sonst auch tun würden). Der Unterschied war lediglich, dass ihre Kalorienzufuhr dokumentiert wurde.

Am Morgen bat man die Probandinnen, sich Snacks aus einem Automaten zu ziehen und diese in den Untersuchungsräumen zu verzehren. Es gab keine Grenzen, was die Mengen und den Zeitraum betraf. Anschließend sollten die Frauen in einen Plastikeimer erbrechen.

Der Inhalt der Eimer wurde untersucht und die Kalorien darin festgestellt. Die Ergebnisse haben einigen die Augen öffnen können:
Die durchschnittliche Menge an konsumierten Kalorien betrug etwa 2132 kcal. Der erbrochene Anteil betrug nur etwa 979 kcal!

Dies bedeutet, dass die Probandinnen nur etwa 46% der konsumierten Kalorien wieder los wurden.

Selbst wer es schafft, die Hälfte zu erbrechen, verdaut immer noch genug Kalorien, die ausreichend für eine vollwertige, leckere Mahlzeit wären.

2 Szenarios

erstes Szenario – ein Tag mit Bulimie

Du fühlst dich noch schwach und schwummerig vom Tag zuvor. Trotzdem lässt du das Frühstück ausfallen, das Mittagessen fällt -wenn überhaupt – nur knapp aus. Am Abend bist du stolz darauf, weniger als 500 Kalorien konsumiert zu haben. Aber dann wirst du unruhig.

Ohne Nachzudenken durchleuchtest du die Küche nach etwas Essbarem. Im nächsten Moment verlierst du dich und wirst erst wieder wach, als du bereits ein halbes Brotleib mit Schoko-Aufstrich und mehrere Schalen Müsli verschlungen hast. Vielleicht etwa 3000-4000 oder noch mehr Kalorien.

Anschließend bekommst du Panik und versuchst, so schnell wie möglich alles wieder zu erbrechen bevor der Körper die Energie speichern kann. Dir ist es aber nur möglich, etwa die Hälfte zu erbrechen und landest insgesamt bei einer Kalorienaufnahme von etwa 2500 Kalorien an diesem Tag.

Du bist fertig mit den Nerven, gefühlsmäßig am Ende, die Kehle brennt und die Augen sind rot unterlaufen. Bevor du ins Bett gehst, sagst du dir noch: Morgen mache ich es besser!

zweites Szenario – Ein Tag mit normalem, entspanntem Essen

Nach dem Aufstehen machst du dir eine Schüssel mit deinem Lieblingsmüsli und isst eine Banane und einen Joghurt dazu. Insgesamt verzehrst du etwa 400 Kalorien und startest energetisch in den Tag.

Die Energie sinkt etwas ab gegen halb 11 Uhr und du greifst zu einem Müsliriegel und einem Apfel bei einer wunderbar duftenden Tasse Tee. Weitere 300 Kalorien zugeführt.

Zum Mittag gönnst du dir ein Vollkornbrötchen und einen Thunfischsalat mit Mais und Dressing, 400 Kalorien.

Weil es bereits Herbst ist und die Nachmittage kühler werden, bekommst du Lust auf eine heiße Schokolade. Diese ist schnell gemacht und dazu gibt es noch 2 Kekse mit Schokostückchen. 300 Kalorien.

Danach hast du wieder Kraft, um noch ein paar Erledigungen zu machen. Was du dir vorgenommen hast, schaffst du an diesem Tag auch, weil du dir keine Gedanken und Sorgen um dein Essen machen musst. Am Abend meldet sich der Hunger wieder… Es gibt ein Thai Curry mit Reis – lecker! 500 Kalorien.

Zum Nachtisch greifst du intuitiv noch einmal in die Keksdose und genießt noch einen Schoko-Keks mit einer Tasse Tee.

Im Bett fühlst du dich sehr zufrieden und freust dich auf eine angenehme Nacht und einen neuen, tollen Tag.

An diesem Tag hast du insgesamt 2050 Kalorien verzehrt. Das ist weniger als das, was du verzehrt hättest, wenn du den ganzen Tag gehungert und anschließend einen Ess-/Brech-Anfall erlitten hättest.

Vergleiche nun diese 2 Szenarios, normales Essen klingt wie der 7. Himmel

Und ich sage dir… So fühlt es sich auch an!

Ja, das Essen ist dazu da, uns zu nähren – aber auch, um genossen zu werden!

Ich verspreche dir, dass du auch an diesen Punkt der Freiheit gelangen kannst und das Essen wieder genießen kannst. Außerdem profitierst du vom sozialem Aspekt und den Nährstoffen in deiner Nahrung:)

Wie löst du dich aber von der Gewohnheit, dem Erbrechen?

Schaue dazu diesen folgenden Ausschnitt aus dem Selbsthilfe-Programm deine Kampfansage und lerne, wie du dich von schädlichen Verhaltensweisen und dem Kompensationsdruck lösen kannst.

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Übernehmen im Banner klickst.

Noch mehr Hilfe?

Sende mir einfach eine Nachricht über das Kontaktformular, oder besuche meinen Onlinekurs “deine Kampfansage” !
Mein kostenloser Ratgeber steht dir jederzeit als Download zur Verfügung.
Gemeinsam machen wir dich stark!

Bis bald,

deine Dani von Recoverybuddy

3 Comments on Warum Erbrechen langfristig nicht die Lösung ist

  • Lisa says:
    4. Oktober 2017 at 7:36

    Liebe Dani,
    Ich denke du meinst es ja nur gut, aber deine Rechnungen und die Studie mögen ja auf einzelne Bulimiker/innen zutreffen, aber man kann das nicht generalisieren! Ich kenne viele (mich eingeschlossen) die durch die Bulimie stark abnehmen/sehr untergewichtig sind. Obwohl wir >10.000kcal am Tag essen und erbrechen. Gerade wenn man jede ‚Mahlzeit‘ erbricht… Ansonsten finde ich dein Beispiel ganz gut und abschreckend ?
    Lg Lisa

    Antworten

  • marie2904 says:
    14. Oktober 2017 at 20:39

    Hey,
    leider kann ich dem Artikel nur zur Hälfte zustimmen. Der Beitrag ist genial für „Anfänger“. Das trifft definitiv zu!!! Aber nicht für Kotz-Profi´s. Ich habe mich noch nicht in Gruppen integriert oder in Foren ausgetauscht… Eins jedenfalls ist sicher: ich spüre wann ich richtig leer bin… sorry. Man kann doch ALLES rauskriegen wenn man will. Oder etwa nicht?

    Antworten

    • Daniela Convertini says:
      20. Oktober 2017 at 21:20

      Hallo Marie, vielen Dank für deinen Kommentar. Im Grunde waren die Probanden keine Anfänger und auch ich kann bestätigen, dass nach vielen Jahren nicht nur der Stoffwechsel beschädigt wird, sondern auch die Essattacken häufiger werden und immer größere Ausmaße annahmen. Natürlich lässt sich pauschal keine Aussage machen, aber ich denke, wir beide stimmen zu, dass es langfristig (!) Einfach nicht funktioniert und mehr zerstört als dass es positive Auswirkungen hat. VG Daniela

      Antworten

Leave a Reply

Your email address will not be published. Fields marked with * are required

Newsletter abonnieren und GRATIS E-Book sichern!

Erhalte außerdem wertvolle Tipps zum Ausstieg aus der Esstörung.

 

- Regelmäßige Benachrichtigungen über neue Blogeinträge

- Infos über mich und meine Arbeit

- News, Angebote & Gewinnspiele

Du hast dich erfolgreich eingetragen.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen