Wie ich mit meiner Magersucht zusammenkam und mit ihr lebte – Interview mit Aron Boks

  • 3. September 2019

Interview zum Buch:
Luft nach unten – wie ich mit meiner Magersucht zusammenkam und mit ihr lebte.“
von Aron Boks.

 

 

 

 

 

Bildrechte Ulrike Bauer


Lieber Aron.

Du hast kürzlich deinen ersten autobiografischen Roman „Luft nach unten“ veröffentlicht. Herzlichen Glückwunsch!

1. Wie lange warst du in dem Teufelskreis der Magersucht gefangen und wie lange liegt das jetzt zurück?

Circa 1 Jahr lang. Es war im Vergleich zu manch anderem ein sehr radikales Jahr. Es ging sehr schnell Berg ab. So richtig zurückdatieren, wann es begann, kann ich nicht. Es gab auf jeden Fall schön früh essgestörtes Gedankengut, die körperlich lebensgefährliche Phase war im Vergleich noch relativ kurz.

2. Was hat dir dabei geholfen, die Hintergründe zu verstehen und die Essstörung zu überwinden?

Das Umfeld war mich sehr wichtig. Ich gehe zwar im Buch nicht auf das häusliche und familiäre Umfeld ein, aber die Familie und die Freunde sind wohl das Wichtigste, weil man mit ihnen die meiste Zeit verbringt. Neben der Therapie waren sie der wichtigste Faktor. Ohne sie hätte ich es nicht geschafft.

3. Rückblickend gesehen: was stand hinter deinem Essproblem und warum meinst du, hast du Anorexie zu diesem Zeitpunkt „gebraucht“?

Die Essstörung ist eine gewisse Art von Kompensation. Natürlich passiert das alles unter dem Deckmantel der körperlichen Symptome der Magersucht und man sieht sehr schnell die äußerlichen Veränderungen an sich selbst. Gleichzeitig dient sie als Kompensation von emotionalen Gefühlen, die für uns gar nicht greifbar sind, was auch schwer ist, dadurch, dass die Essstörung dir so die Kräfte raubt.
Man kommt gar nicht richtig hinter die Ursache dieser Selbstverletzung, es ist nicht ohne Grund eine Emotionsregulationsstörung. Von daher muss zwangsläufig eine therapeutische Behandlung stattfinden, um hinter die Ursache zu kommen.
In meinem Fall war die Ursache ein ganzes Mosaik aus kleinen und großen unterschiedlichen Teilen.

4. Gab es für dich eine Art „Turning Point“ oder einen Moment, in dem es „Klick“ machte, um zu verstehen, dass das selbstzerstörerische Verhalten keine Lösung darstellt?

Der entscheidende Faktor war ein lernpsychologischer Moment:
die kognitive und körperliche „Arbeit“ mit der Essstörung erfordert viel Energie.
Man beschäftigt sich viel mit sich selbst, man überdenkt alles extrem… Irgendwann hatte ich den Wunsch, wieder die Form der Energie zu haben wie früher. Essen wieder mit positiven Momenten zu assozieren und Glücksgefühle zu spüren. Ich wollte bestimmte Dinge auf langfristiger Sicht besser hinkriegen. Zum Beispiel meine Auftritte als Slampoet. Dazu benötigte ich wieder Kraft und einen freien Kopf.

5. Was war dann letztendlich deine Motivation, über deine Erfahrungen zu schreiben? Für wen ist das Buch gedacht, und was soll es im Leser bezwecken?

Ich wollte eine unterhaltsame Geschichte schreiben. Gleichzeitig fand ich die männliche Perspektive von Anorexia Nervosa spannend und hatte genug eigene Erfahrungen gesammelt. Ich denke, ich möchte mit dem Buch „Luft nach unten“  informieren und unterhalten.

6. Wie könnte man deiner Meinung nach mehr Bewusstsein schaffen für das Thema Essstörungen bei Männern?

Eigentlich sollte eine Essstörung keine Geschlechterfrage sein. Es braucht keine Gleichberechtigung, sondern mehr Empathie, indem man Dinge nicht mehr abtut und wegschaut, sondern einfühlsamer ist.
Ich wünsche mir einfach mehr Bewusstsein für die betroffenen Männer.

7. Du schreibst etwas zynisch über deine Erfahrungen mit Ärzten und speziellen Klinikeinrichtungen. Gibt es etwas, was du in unserem Gesundheitssystem kritisieren oder sogar ändern würdest in Bezug auf die Behandlung von Essstörungen?

Nicht alles ist aus meiner eigenen Perspektive geschrieben. Vieles habe ich selbst erlebt und einiges aus Interviews und Gesprächen mit anderen Betroffenen erfahren. Ich habe viel Recherchearbeit betrieben und mich ausgetauscht. Einige Beobachtungen sind schon etwas überspitzt, aber es gab sie.
Die psychologische Arbeit ist schon menschlich verlaufen. Wenn man sich selbst gut erklärt, kann der Therapeut gut arbeiten. Sicher sollte man mit der Wortwahl als Arzt oder Therapeut vorsichtig sein, um nicht noch weiteren psychischen Schaden anzurichten. Leider habe ich auch von solchen „Ausfällen“ gehört.

8. Gibt es etwas, was du meinen Lesern mit auf den Weg geben willst?

Liest dieses Buch:) Bleibt dran, arbeitet weiter an der Genesung, es lohnt sich! Es hat einen guten Grund, warum ihr diesem Blog folgt.

9. Wo gibt es dein Buch “Luft nach unten“ und weitere Infos über dich als Autor, Speaker und Slam Poet?

In jedem Buchhandel, wie auch online auf Amazon
 ISBN: 978-3862657773
Mein Social Media:
instagram: @aronboks
Facebook: Aron Boks

Vielen herzlichen Dank, dass du dir die Zeit genommen und die Fragen beantwortet hast. Für deinen weiteren Weg wünsche ich dir alles Liebe & Gute und natürlich auch weiterhin viel Erfolg!

Das Interview auf Youtube anschauen!

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