Wie viel Sport ist gesund in der Genesung?

  • 3. Dezember 2017

Sport und Bewegung.

Was geht dir durch den Kopf, wenn du diese 2 Begriffe hörst?

Fühlst du dich ängstlich, angespannt, oder sehnst du dich im Moment vielleicht gerade danach, dich zu bewegen? Fühlst du dich schlecht/schuldig, weil du weißt, dass du deinem Körper gerade mehr abverlangst als nötig, weil du Kalorien verbrennen möchtest?

Hast du ein Loch im Magen, weil du den Sport als Selbstbestrafung gebrauchst? Fühlst du dich trotzdem dazu verpflichtet, dein Sportprogramm durchzuziehen, weil du sonst ein schlechter Mensch bist und das Essen nicht verdient hast? Solche Gedanken in der Art…?

Deine Reaktion und dein Bauchgefühl sagt schon Vieles zu deiner Beziehung zum Sport aus.

Leider gibt es derzeit keine pauschalen Empfehlungen für das Bewegungspensum bei Essgestörten, die sich in der Genesung befinden. Wir befinden uns hier in einer Grauzone, in der Experten, Therapeuten und Ärzte lediglich Empfehlungen geben können.

Sicher hast auch du schon gehört, dass du besser moderat oder am besten gar nicht mehr Sport treiben sollst.

Dieses Thema sollte keine Grauzone mehr bleiben. Es sollte glasklar sein:

Jemand, der von einer restriktiven Essstörung heilen möchte, sollte keinen Sport treiben.

Es ist ein Symptom der Krankheit. Es ist zwanghaft. Es ist eine Zwangsstörung!
(
Diese Studie befasste sich mit dem Zusammenhang der beiden Verhaltensstörungen).

Mittels Sport zu kompensieren ist ähnlich dem Erbrechen, mit dem Unterschied, dass der Vorgang gern “verdeckt” wird und durch die “positiven” Aspekte schön geredet wird (gut für den Körper, verbessert die Laune / das Körpergefühl usw.)

Doch würde ein moderates Bewegungsverhalten funktionieren, würde man auch Bulimikern raten, nur noch mäßig zu erbrechen. Dieser Ratschlag ist also ziemlich unsinnig und auf Dauer nicht umsetzbar.

Weil Bewegung für die allgemeine Bevölkerung als gesundheitserhaltende Maßnahme angesehen wird, sehen viele Betroffene nicht das Problem dabei.
Nicht nur der Sport, sondern auch alle anderen Arten der Bewegung sind kritisch, vor allem bei magersüchtigen und untergewichtigen Patienten. Für eine Person mit einer Essstörung kann es zwanghaft werden, mit dem Hund spazieren zu gehen oder das Haus von oben bis unten sauber zu machen. Sie gehen zu Fuß, statt das Auto zu nehmen, erlauben sich nicht, sich hinzusetzen und zappeln ständig durch den Tag.

Bei der Genesung steht die Wiederherstellung eines gesunden Gewichts im Vordergrund. Dies bedeutet in erster Linie auch, alle zwanghaften Bewegungen und Übungen bis dahin einzustellen. Für einen begeisterten Sportler kann dies zu schweren psychischen Traumata führen. Doch ist der Sport letztlich lebensbedrohlich oder wird die Vermeidung mehr schaden als nützen?

Motivation Gewichtsreduktion

Abnehmen und Zunehmen ist ein komplizierter Bereich und viel komplexer als nur Kalorien rein, Kalorien aus. Im Wesentlichen zählen die verdauten Nährstoffe und die vom Körper verbrauchte Energie. Die Voraussetzung dafür ist ein gesunder Stoffwechsel und eine gesunde Darmflora/ ein funktionierender Darm. Dieses muss also als erstes sichergestellt werden, bevor regelmäßig Sport getrieben wird.

Das wichtigste am Sport ist nämlich, dass er sich für dich angenehm und “richtig” anfühlt. Für mich vermittelt beispielsweise das Radfahren ein Gefühl der Freiheit. Es ist mein persönliches Mittel, um mit der Umwelt in Verbindung zu treten. Sobald ich auf meinen Drahtesel steige und die Musik laut aufdrehe, zaubert es mir jedes Mal ein Grinsen ins Gesicht.

Motivation Depressionen reduzieren

Sich mental besser zu fühlen, mag die ursprüngliche Motivation sein, aber meiner Erfahrung nach, hat diese Wirkung im Laufe der Zeit nicht mehr Bestand. Der Sport gibt uns vielleicht immer noch ein besseres Gefühl, aber nicht auf die gleiche Art und Weise. Er fungiert eher als kurzfristige Ablenkung von dem Essproblem und allen anderen Problemen – eine Art Flucht, ohne wahre Freude dahinter. Ähnlich, wie wenn du aufstehst und dich anziehst, weil es notwendig ist. Klar fühlst du dich dann besser, als wenn du im Bett bleiben würdest…

Eiskalter Entzug

Für viele ist der eiskalte Entzug das Schwierigste. Sie haben ihr Leben und ihre Identität rund um das Training aufgebaut, oder sind sogar selbst Fitness-Trainer und verbringen den gesamten Tag im Fitnessstudio.

In diesem Fall funktioniert es nicht, weiterhin ins Studio zu gehen und zu versuchen, nicht zu trainieren. Die Essstörung wird laut aufschreien und dich als Versager betiteln, wenn du so “faul” ist. Sie möchte dich gefangen halten in den zwanghaften Verhaltensweisen.

Ein Alkoholiker wird in einer Kneipe auch nicht trocken bleiben…

Das Leben besteht nicht nur aus Sport

Mach dir bewusst, dass wir Menschen im Laufe des Lebens mehreren Jobs nachgehen, andere Interessen entwickeln und stetig wachsen (wenn du es zulässt). Du selbst entscheidest, ob du neue Pfade erkundest, oder weiterhin im Teufelskreis verweilst.

Was bedeutet das für die Genesung?

Theoretisch ist es möglich, auch mit Sport ein gesundes Gewicht zu erreichen. Aus diesem Grund argumentieren viele Menschen, dass sie nicht aufhören müssen, Sport zu treiben, ABER:

Gesund bist du nicht, wenn dein gesundes Gewicht wiederhergestellt ist, sondern wenn dein Essverhalten nicht mehr an Bedingungen geknüpft ist. Eine vollständige Genesung ist die Fähigkeit, bedingungslos und ohne Angst zu essen. Um bedingungslos essen zu können, musst du in der Lage sein, zeitweise mit dem Training aufzuhören und dabei nicht abzunehmen oder die Kalorien einzuschränken. Wenn du derzeit die Kontrolle darüber hättest, würde dich das Thema nicht aus den Bahnen werfen und Angst erzeugen. Also wo stehst du derzeit wirklich, wenn du ehrlich zu dir bist?

Ich weiß, es ist nicht fair, aber du musst aufhören. Es gibt so viel mehr im Leben. Um dies später genießen zu können, musst du dich JETZT ausruhen.

4 Wege, um ein Gleichgewicht zu finden und Frieden zu schließen:

1 – Lasse von alten Überzeugungen los.

Viele von uns, die eine Essstörung gehabt haben, verbinden Sport mit einer Gewichtsabnahme und Kontrolle. Schließe Frieden, indem du alles, was du über Sport wusstest, über Bord wirfst. Öffne dich für eine neue Beziehung zu dir. Wann immer dir zwanghafte Gedanken in den Sinn kommen, sage dir selbst, dass du jetzt loslassen kannst.

2 – Sei neugierig.

Probiere neue Bewegungsarten und Aktivitäten, die Spaß machen könnten. Achte auf deine Motivation. Gedanken wie „müssen“ und „sollten“ in Verbindung mit dem Sport, sind ein Beweis dafür, dass du es nicht aus vollem Herzen tun möchtest. Wenn das so ist, probiere etwas anderes! Eine neue Aktivität pro Woche reicht aus.

3 – Höre auf deinen Körper.

Ok Freunde, hier ist die große Aufgabe: Finde dein Gleichgewicht, indem du aufhörst, wenn dir dein Körper sagt, dass du müde bist.

Wenn du immer noch mit einer Essstörung zu kämpfen hast, stelle einen Timer ein, aber nur, nachdem du dich mit einer professionellen Unterstützung auf ein geeignetes Pensum geeinigt hast.
Beginne mit einem langsamen, zwanzigminütigen Spaziergang mit einem Freund. Besser noch: übe achtsames Gehen in der Natur und bewerte deine Umgebung.

4 – Sei ehrlich zu dir selbst.

Hast du dir selbst schon eingestanden, dass dein Verhältnis zum Sport alles andere als entspannt ist? Ist dir bewusst, dass du dieses Verhältnis genauso wie das Essproblem behandeln musst? Der Schlüssel zum Gleichgewicht ist es, brutal ehrlich mit dir selbst und deinen Absichten zu sein. Alles, was extrem ist, führt in ein Ungleichgewicht. Handelst du nach den Forderungen der Essstörung, ist das Teil der Krankheit und nicht gesundheitsfördernd!

Noch mehr Hilfe?

Sende mir einfach eine Nachricht über das Kontaktformular, oder besuche meinen Onlinekurs “deine Kampfansage” !
Mein kostenloser Ratgeber steht dir jederzeit als Download zur Verfügung.
Gemeinsam machen wir dich stark!

Bis bald,

deine Dani von Recoverybuddy

20 Comments on Wie viel Sport ist gesund in der Genesung?

  • pia.knoeller says:
    7. Dezember 2017 at 21:11

    Zu diesem Thema würde ich mich riesig über Kommentare freuen. Stehe seit 12 Jahren unter Bewegungszwängen. Nun habe ich es durch diese Seite geschafft mich untertags zumindest davon zu verabschieden allerdings habe ich ein Hintertürchen offen indem ich Morgengymnastik mache die aus Eigenkreation Übungen bestehen. Zeitliche Dauer 20 min. Ich möchte sie nicht komplett lassen da sie mir auch gut tut jedoch würde ich mich über Vorschläge für Übungen von anderen Betroffenen freuen. Dachte schon an Yoga aber mir fällt es schwer Übungen auszuwählen die keine Leistungen erbringen wo ich ins „Pusten“ komme. Oder sollte ich einen eiskalten Entzug wagen??

    Antworten

    • Tanja Bockhorn says:
      5. Januar 2018 at 20:05

      Liebe Pia,

      erst dachte ich, ja, es spricht nichts dagegen, täglich 20 Minuten in etwas zu investieren, was dir guttut. Doch, wenn man beachtet, wie sehr dich der Sport negativ verreinahmt hat, sage ich, ja- du darfst dich dem mal komplett entziehen. Du darfst es. Es hat einfach noch einen negativen Beigeschmack. Wenn du mal voller positiver Energie büßt und das Bedürfnis nach Bewegung hast, mache es oder picke dir ein Tag raus, an dem du deine Einheit absolvierst. Sport ist wirklich befreiend u. U, aber der Beweggrund war es bei dir zu lange nicht. Du MUSST gar nichts. Du darfst leben. Das hast du verdient

      Antworten

      • Pia Knöller says:
        6. Januar 2018 at 11:38

        Vielen lieben Dank für deine Antwort! Das ist so schön und befreiend zu lesen und es gibt mir unheimlich viel Kraft der bösen Stimme und der Angst gegenzuhalten. Ja ich zwinge mich seit Jahren zum Sport oder Bewegung und das mehrmals täglich so dass Schlafstörungen normal geworden sind. Die Angst und der zugehörige Druck der entsteht wenn ich diese Routinen durchbreche und andere Wege beschreite wird sehr schwer werden. Habe heute alle Beiträge von Dani nochmal gelesen welche mir immer neuen Ansporn geben und meine Gedanken beruhigen. Und deine Nachricht hat mir sehr sehr viel positives Denken beschert. Vielleicht können wir im Austausch bleiben? Bei Interesse pia.knoeller@gmx.de. möchte eine Woche oder zwei komplett aus Gymnastik (Zwangsübungen) verzichten außer kurze Spaziergänge und diese danach beibehalten und 1x pro Woche Yoga per DVD und somit zeitlich begrenzt auch öffentlich damit ich mich nicht wieder in unseren Sportraum verbarrikadiere.

        Antworten

        • Tanja Bockhorn says:
          7. Januar 2018 at 19:26

          Liebe Pia,

          ich wünsche Dir so sehr, dass Du deiner gesunden Stimme vertraust. Du bist ein so stärker Mensch. Glaub mir, ich weiß, wovon ich Rede. So gerne würde ich die verlorenen Jahre nachholen. Aber dasbfeht leider nicht. So oft bin ich verunsichert, überfordert. Aber ich spüre, dass ich Zwänge durchbrechen muss. Irgendwann wird es leichter und man entdeckt Kräfte, die dir wirklich gleichermaßen Ausgleich verschaffen. Ständig ist da diese Forderung in dir. Aber die Kontrolle ist an so viele Bedingungen geknüpft. Du wirst frei sein…du darfst all das machen, was dir Spaß macht…faul sein, ein Bad nehmen, lesen, spazieren gehen, Musik hören…aber dh musst gar nichts, vor allem nicht alles auf mal. Überfordere dich nicht. Du hast alle Zeit, die du zum Gesund werden brauchst

          Antworten

          • Pia Knöller says:
            7. Januar 2018 at 21:13

            Ja ich weiß, ich werde meinen Körper auch alle Zeit der Welt geben nur bin ich so ungeduldig. Morgen beginnt die Arbeit, mein Urlaub ist vorbei und ich dachte ich würde mehr erreichen , das ist meine Ungeduld. Jetzt beginnt es noch schwerer zu werden . Arbeit bedeutet Stress und erfordert mehr Mut weil es eine andere Umgebung ist und zu viele Menschen (arbeite im Kindergarten) was mir immer Angst macht. Habe immer Übungen also Sport auf dem Klo gemacht wenn ich mich gestresst fühlte und so wenig wie möglich gegessen weil ich nie Ruhe hatte zum Essen und ich mir eingeredet habe ich brauche es nicht. Ich hoffe ich habe Kraft dass es besser laufen wird. Was meinst du wie lange ich die Sportfreien Tagen andauern lassen soll? Wie merke ich das?

    • f.calonec says:
      4. Januar 2019 at 21:05

      Liebe Pia Wie hast du es hinbekommen deinem Drang nicht nachzugehen was hast du für Strategien angewandt um die Panik den Druck auszuhalten ? Habe selber sehrsehrstark mit Unruhe u d bewegungsdrang zu tun und würde mich freuen ggf neue Ideen zu bekommen, wie ich die lanik, das herzklopfen, die aufkommende hitzewallungen …aushalten kann

      Antworten

  • Daniela Convertini says:
    9. Dezember 2017 at 11:11

    Hallo Pia,

    vielen lieben Dank für deinen Kommentar und meinen größten Respekt dafür, dass du dein Sportpensum bereits drastisch reduzieren konntest. Ich habe keine Bedenken bei der Morgengymnastik, da du ja offensichtlich nicht damit kompensierst (wenn ich das richtig gelesen habe?). Yoga wäre eine fantastische Lösung und hat mir auch dabei geholfen, ein besseres Körpergefühl zurück zu erlangen.

    Gerne kannst du dich in der Teilnehmer-Gruppe auf Facebook mit den anderen „Kampfansagern“ austauschen. Die Einladung habe ich dir soeben noch einmal per Mail geschickt! Ich würde mich sehr freuen, dich dort begrüßen zu dürfen:)
    Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende,

    Deine Daniela

    Antworten

    • pia.knoeller says:
      10. Dezember 2017 at 21:12

      Hi , vielen Dank für deine Antwort. Deine Einladung habe ich erhalten, werde mich aber nicht anmelden da ich mich von FB abgemeldet habe. War mir zu triggernd. Aber nicht so schlimm 🙂 . Naja ich kompensiere schon damit. Ich mache das auch wenn ich merke dass ich viel zu müde und kaputt bin und zwinge mich täglich dazu. Ich MUSS zumindest etwas ins Pusten kommen. Und ich mache das zur Vorsorge für das „nichts tun“ auf Arbeit und das was gegessen wird tagsüber. Heute habe ich den ersten Tag mit sanfteren und kürzeren Morgensport hinter mir und es war nicht leicht zu stoppen wenn der Kopf mehr will aber ich habe es geschafft. Ich hoffe ich packe es weiter so und erliege keinen Rückschlag.

      Antworten

  • kerke.usslepp95 says:
    3. August 2018 at 16:01

    Hallo Dani,
    was spricht denn während der recovery dagegen etwas muskelaufbau zu betreiben ?
    Hab es zwar schon lange Zeit versucht, der Erfolg blieb allerdings aufgrund der vermutlich zu geringen kalorienmenge aus.

    Angenommen ich würde mindestens die 3500kcal nun zu mir nehmen, womit ich definitiv zunehmen würde.Siehst du da trotzdem ein Problem ?
    Mir ist natürlich auch bewusst, dass sich was an meiner Psyche ändern muss.

    Liebe Grüße 🙂

    Antworten

    • Daniela Convertini says:
      7. August 2018 at 12:40

      Hallo liebe Kerke,

      für einen mangelernährten Körper (und das kann auch im Normal- oder Übergewicht sein) bedeutet Sport ausschließlich Stress. Gerade beim Krafttraining speichert sich vermehrt Wasser in den Muskelzellen, was zu Unwohlsein führt. Ich erinnere mich noch genau, wie verbissen ich aufs Krafttraining war in meiner Anfangsphase. Alles, was passiert, war, dass ich aufgedunsen aussah, kaputt und erschöpft war und zudem konnte sich mein Sättigungsgefühl nicht einstellen. Dazu der vermehrte Hunger und die Unzufriedenheit… lasse es lieber!!

      Muskeln aufbauen/wandeln kannst du immer noch später, wenn der Körper zur Ruhe gekommen ist und das Immunsystem intakt ist. Anderenfalls hat Sport/Krafttraining ja auch überhaupt keinen Sinn;)

      Ich hoffe, die Information hilft!
      Weiterhin viel Kraft & alles Gute,

      Daniela

      Antworten

  • Felicia says:
    20. Oktober 2018 at 0:47

    Hallo liebe Daniela

    Ich bin gerade über diesen Blog gestolpert und schon total beeindruckt von der Fülle an positiver Energie in den Artikeln. Ich wollte fragen, ob es möglich wäre mir eine Einschätzung meiner Situation zu geben.

    Ich bin etwa 173cm groß und wiege um die 38kg (das niedrigste gemessene war 36,6). Ich weiß, dass ich mindestens 15kg zunehmen muss und bewusst verbiete ich mir auch nichts. Wie in deinem Beitrag zum Extremhunger beschrieben, esse ich wenn und wonach mein Körper verlangt ohne schlechtes Gewissen. Mein Untergewicht kam außerdem ohne eine bewusste Restriktionen zustande und war immer unerwünscht. (Nebeneffekt einer orthorektischen Phase nach einem traumatischen Erlebnis; tatsächlich ekele ich mich eher vor meinem klapprigen Körper anstatt mich als „zu dick“ zu sehen)

    Mein großes Problem ist der Sport.

    Dort wo ich wohne, ist es fast unmöglich ein Auto zu halten, wegen der Park- und Verkehrssituation, weswegen ich zwangsläufig alles zu Fuß, oder mit dem Fahrrad erledigen muss. Dazu kommt, dass ich bereits als Kind sehr zappelig war und jedwede Form der Energie sofort unbewusst rauslassen. Das äußert sich in Energieschüben, Zappeln und Zucken bzw. teilweise auch extremes Zittern und dem Bedürfnis zu rennen (was derzeit Gott sei Dank nicht möglich wäre ohne hinzufallen, da ich keinerlei Kontrolle über meine Beine habe). Außerdem bin ich sehr ehrgeizig und möchte auf keinen Fall meinen Spagat verlieren und zudem betreibe ich noch gezieltes Krafttraining, weil ich gerne stärker und stabiler wäre.
    Laut diesem Artikel sollte ich eigentlich in den kalten Entzug gehen, aber alle diese Tätigkeiten (Radfahren, Yoga und Krafttraining) sind für mich der Ausgleich vom stressigen Studienalltag und erfüllen mich voll und ganz. Ich freue mich jedes mal wie wahnsinnig, wenn ich weiß, dass es jetzt wieder Zeit für Sport ist und zwinge mich nicht dazu, oder mache es nur um Kalorien zu verbrennen. Leider bleibt der Erfolg beim Zunehmen dadurch beschränkt bis aus, aber ich könnte jedes Mal heulen, wenn ich daran denke, dass ich es eigentlich lassen müsste.

    Hast du (oder jemand aus der Community) eine Idee wie ich damit umgehen soll? Besteht die Möglichkeit, dass ich mir dieses Wohlgefühl nach und beim Sport nur einrede? Und sollte ich eventuell einen Essplan erstellen, da ich im Moment nach Hungergefühl eigentlich immer satt und zufrieden bin, aber wohl noch nicht ausreichend esse (denn sonst müsste ich ja zunehmen)?

    Verzeihung für den langen Text, aber nach 3 Jahren herumgekrebse an der Kante meines Grabes bin ich wirklich verzweifelt und am Ende meiner Weisheit.

    Ich wäre unglaublich dankbar für jedes Feed ack und jeden Ratschlag.

    Vielen Dank für diesen Blog und die tolle kostenlose Hilfe, die er zweifellos für viele bietet.

    Viele liebe Grüße
    Felicia

    Antworten

    • Daniela Convertini says:
      20. Oktober 2018 at 20:15

      Hallo liebe Felicia,

      vielen Dank für deine Worte. Mit diesem Gewicht bekommst du in jeder stationären Therapie ein striktes Bewewgungsverbot erteilt. Deine Lage ist lebensbedrohlich!!! Bitte sorge für dich und gehe in die Klinik, wenn du es alleine nicht schaffst, die Bewegung einzuschränken. Sorge für dich<3 Alles Liebe und viel Kraft!

      Antworten

  • koessler.sophia says:
    22. November 2018 at 7:50

    Hallo,
    Bin neu und habe eine Frage zum Thema Bewegung. Ich mache nicht wirklich sport, renne aber untertags zuhause die Treppen auf ubd ab um mich zu beruhigen. Ist das schlimm für den Körper? Bin Magersüchtig, will gesund werden doch bekomme das mit den Treppen laufen lassen nicht hin. Ist es wirklich so wichtig fpr mich es zu lassen?

    Antworten

    • Daniela Convertini says:
      22. November 2018 at 16:43

      Hallo liebe Sophia, vielen Dank für deinen Kommentar! Die Rennerei ist nicht gerade normal und nicht von deiner gesunden Seite aus gesteuert. Mach dir bewusst, dass dies genauso zu deinen essgestörten Verhaltensweisen gehört, wie die Kontrolle über das Essen. Davon möchtest du ja wegkommen, richtig? Frage dich stets: Nimmt es mir Kraft, oder gibt es mir Kraft? Fokussiere dich von jetzt an auf Letzteres;) Alles Liebe & Gute, Dani

      Antworten

      • koessler.sophia says:
        28. November 2018 at 21:06

        Hallo Dani,
        Danke fürs Antworten. Nein normal ist es sicher nicht, bin auch jeden tag dabei es zu verringern. Ich frage mich aber auch ob es überhaupt kcal verbrennt, habe einen BMI von 15 und mache sonst eigentlich keinen Sport auser eben das Treppen gehen manchmal untertags. Glaubst du wenn ich es ganz lasse nehme ich schon deswegen zu? Oder nehme ich wahrscheinlich nur zu wenn ich mehr esse, und das Treppen gehen nicht zu machen reicht alleine nicht aus fürs zunehmen?
        Danke im Voraus
        Sophia;)

        Antworten

        • Daniela Convertini says:
          29. November 2018 at 11:35

          Du solltest dich schon mit dem Gedanken anfreunden, zuzunehmen – in beiden Fällen.

          Herzliche Grüße,

          Daniela

          Antworten

  • K. L. says:
    2. Juli 2019 at 14:06

    Ich hätte eine Frage zu diesem Thema… zurzeit befinde ich mich in einer psychosomatischen Klinik. Ich bemerke, wie mein psychisches Befinden sich bessert und ich in diesem Bereich Fortschritte mache. Z.B. war eine große Angst von mir der Fruchtzucker, aber nun kann ich problemlos eine ganze statt einer halben Banane essen 😀
    Leider zeigt mein Gewicht nicht dasselbe… ich bin allgemein ein recht aktiver Mensch und mag eigentlich Sport auch recht gerne. Zurzeit treibe ich keinen Sport, aber ich fühle mich dadurch auch sehr unwohl… ich habe früher in meiner schlechten Phase auch gelesen, dass Sport zum gesunden Zunehmen das A und O ist. Es hat sich schon festgesetzt bei mir, dass Sport also zum Gesund-Sein dazugehört. Ich plane auch, nachdem ich mich vollständig von dieser Krankheit erholt habe (sowohl psychisch als auch somatisch), mich gesund zu ernähren und ein gesundes Maß an Sport zu betreiben. Aber vor allem in letzter Zeit schleichen sich Ängste wieder an wie z.B. „Ohne Sport nimmst du nur Fett zu und keine Muskeln!“
    Hat jemand von euch Tipps, die dagegen helfen könnten? Oder Fakten, die etwas dagegenhalten?
    Tut mir leid, falls sich jetzt gewisse Dinge in den Kommentaren wiederholen… ich war nicht motiviert genug, mir alle durchzulesen ^^

    Antworten

    • Daniela Convertini says:
      3. Juli 2019 at 13:45

      Hallo liebe Kim,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich finde es toll, dass du schon solche Fortschritte gemacht hast!
      Dieses Ziel kannst du später gerne verfolgen, im Grunde lebe ich es auch gerade – nur eben 3 Jahre nach der Genesung erst, als ich wieder von alleine Lust auf den Sport bekam. Vorher nicht!

      Wenn du achtsam bleibst, wirst du dein gesundes Maß schon finden. Was spricht dagegen, dass du erst das (nötige!) Körperfett ansetzt und dieses SPÄTER in Muskeln wandelst? Erst ab einem gesunden Körperfettanteil können sich auch wieder deine Hormone einspielen und deine Organe effizient funktionieren.

      Dass beim Zunehmen Sport das A und O ist, gilt nicht für essgestörte Menschen;)
      Ich hoffe, die Information hilft!

      Herzliche Grüße,
      Deine Dani

      Antworten

  • Teathy says:
    9. Juli 2019 at 12:15

    Hallo,

    ich bin ebenfalls im Untergewicht und hasse meinen Körper mittlerweile. Ich finde besonders meine Arme zu dünn. Deswegen will ich jetzt zunehmen. Nur habe ich Angst unförmig zu sein (Schwabbelig, Fettig). Kann Fett auch Straff sein? Ich denke etwas Bewegung braucht man. Ich gehe jeden Tag etwas Spazieren, besonders da ich einen Büro Job habe will ich das nicht aufgeben, außerdem entspannt es mich.
    Zusätzlich gehe ich 1-2 Mal die Woche zum Handball Training. Ich mache den Sport allerdings nicht zum Kondensieren sondern um Fit zu bleiben. Mit dem Sport im Studio habe ich aufgehört und das Abo gekündigt.
    Ist es in Ordnung wie ich mich Bewege und Sport mache, also aus Lust am Sport heraus statt aus einem Drang?

    Danke im Voraus für eine Antwort.
    Gruß
    Teathy (Nickname)

    Antworten

    • Daniela Convertini says:
      9. Juli 2019 at 13:15

      Hallo Teathy,

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Bis du aus dem UG raus bist, würde ich auch das Handball-Training meiden.

      Du tust damit deinem Körper nichts Gutes, wenn er eigentlich zunehmen sollte.

      Ich hoffe, die Information hilft! Bitte sorge für dich.

      Weiterhin viel Kraft & alles Gute,
      Dani

      Antworten

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