Zunahme in der Recovery – 8 konkrete Tipps zum Überwinden der Angst

  • 11. März 2019

Gastbeitrag von Alissa Nönninger, HelloMe-Coaching!

Die wohl größte Angst, die Menschen mit Bulimie, Anorexie, Orthorexie und Binge Eating verbindet, ist die Angst vor einer Gewichtszunahme. Diese Angst ist der Nährboden einer Essstörung und hält sie am Leben. Durch Diäten, exzessiven Sport, Medikamentenmissbrauch, Erbrechen und andere selbstverletzende Maßnahmen wird diese Angst gefüttert. Dies führt dazu, dass Essen mit Anspannung, Schuld, Scham und Angst verbunden wird und Hungern, Sport & Erbrechen mit etwas Positivem.

Da die Angst vor der Gewichtszunahme die Wurzel einer Essstörung ist, kann der Weg aus der Essstörung nicht an einer Gewichtszunahme vorbei führen. Es heißt sprichwörtlich ja auch „Wer zur Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen“ – das bedeutet, dass man durch die Angst durch muss, um sie endlich aufzulösen. Indem man diese Angst weiterhin zulässt und nach Lösungen sucht, eine Gewichtszunahme zu umschiffen, verzögert man lediglich den Heilungsprozess. Und auf kurz oder lang kommt man vermutlich einfach nicht drum herum. Wieso sollte man sich also noch Monate oder gar Jahre von dieser Angst vereinnahmen lassen, die doch eigentlich die Quelle des Leids ist?

Ich bin keine Theoretikerin sondern spreche aus Erfahrung, wenn ich sage, dass du solange in deiner Essstörung gefangen bist, bis du diese Angst überwindest. Es ist vergleichbar mit anderen Ängsten wie zum Beispiel Flugangst – niemand wird diese überwinden können, ohne einen Fuß in ein Flugzeug zu setzen. Ja, der Gedanke daran, sein Idealbild in seinem Kopf platzen zu lassen und einer Gewichtszunahme ins Auge zu blicken, tut verdammt weh. Und hätte es eine Alternative gegeben, hätte ich diese tausendfach bevorzugt.

Doch das Universum tickt nun mal anders: es stellt uns solange die gleiche Aufgabe, bis wir sie lösen.

Höre auf dich vor dieser Verantwortung zu drücken und lege stattdessen den Fokus auf die POSITIVEN Dinge in deiner Recovery und das Leben, was dich erwartet. Wenn du vor oder in der Recovery steckst, dann weißt du bestimmt, welche vorübergehenden Symptome dich erwarten: Extremhunger, Fressanfälle, Blähungen, Sodbrennen, Wassereinlagerungen, Müdigkeit, Gewichtszunahme etc. Ich habe all diese Begleiterscheinungen erlebt und kann dennoch sagen: es lohnt sich. Damit du diese Zeit aber bestmöglich meisterst, hier ein paar Tipps, ohne zu tief ins Detail zu gehen.

    • Höre auf, dir jegliche Lebensmittel zu verbieten. Schließe mit allen Nahrungsmitteln Frieden – insbesondere mit denen, vor denen du große Angst hast. Auch hier gilt: gehe durch die Angst. Es gibt keine „guten“ und „schlechten“ Lebensmittel – alle haben ihre Daseinsberechtigung.

 

    • Lasse jegliche Angst, Anspannung, Schuld und Scham vor, beim und nach dem Essen los. Lerne Essen als Genuss und als Abenteuer zu sehen, deinen eigenen Geschmack kennenzulernen. Finde heraus, was dir besonders gut schmeckt und bekommt.

 

    • Gehe an Geburtstage und Feiern – erlaube dir, alles zu essen, was du möchtest. Versuche, immer mehr Gefallen an dieser Freiheit (dir aussuchen zu können, was du essen willst) zu finden, statt dich vor diesen Anlässen zu drücken. Stelle dich dieser Herausforderung.

 

    • Baue neue Routinen in deinen Alltag ein, die dir Stabilität geben und dein Selbstbewusstsein stärken wie: Meditation, Affirmationen, Visualisierung, Erfolgstagebuch, Essenstagebuch etc.

 

    • Erlaube dir, bereits in der Recovery glücklich und zufrieden zu sein. Fiebere nicht auf einen Moment in der Zukunft hin, in der du „frei“ von der Essstörung bist, sondern genieße bereits den Weg – denn er ist die Freiheit. Wie du die Recovery erlebst, liegt an deinem Mindset.

 

    • Lasse Extremhunger zu – vor allem nach Bulimie, Orthorexie und Anorexie hat der Körper Nachholbedarf. Erlaube dir, große Portionen sowie Dinge zu essen, die du dir lange verboten hast. Gönne dir danach Ruhe statt Sport.

 

    • Missbrauche Essen nicht als Betäubungsmittel. Sage NEIN zu emotionalem Hunger (beispielsweise wenn du alleine oder gestresst bist). Ersetze dieses alte Kompensationsmuster mit neuen, wohltuenden Alternativen. Belohne dich mit anderen Dingen als mit Essen.

 

    • Beginne mit dem intuitiven Essen. Lerne schon in der Recovery Step by Step, deine Körpersignale wieder zu spüren und auf sie einzugehen. Dafür empfehle ich ein Essenstagebuch, denn dieser Prozess braucht Übung und Geduld. Das Schöne ist, dass du immer mehr mit statt gegen deinen Körper arbeitest und dich immer wohler in deiner Haut fühlst. Du wirst spüren, dass die Aufgabe von Essen ist, deinem Körper Energie zu geben und nicht dazu dient, dich besser fühlen zu lassen.

 

Die Frage, die du dir in deiner Recovery also stellen solltest ist nicht, wie du kein Gewicht zunimmst. Du solltest dich fragen, wie du täglich dafür sorgen kannst, dass es dir trotz manch unangenehmer Begleiterscheinungen gut geht. Wie du sicherstellst, dass du durchhältst und den Glauben an dich nicht verlierst. Was dir deinen Weg erleichtert. Wie du deine Zeit füllen kannst, wenn Essen als Trost wegfällt.

Zerbrich dir nicht länger den Kopf über die Dinge, die du nicht ändern kannst (auch wenn es leichter gesagt ist als getan). Wenn du deinen Fokus täglich auf ein positives Mindset richtest, auf bedingungslose Selbstliebe, deine Familie und Freunde, deine Hobbies und all die Dinge, die du irgendwann vernachlässigt hast, dann wirst du dich auch in der Recovery gut fühlen. Lass zu, dass du dich trotz alledem in deiner Haut wohl fühlst – ja, zwinge deine Gedanken, positiv über dich zu denken. Fange ab Tag 1 an, deine Wahrheit in die Welt zu bringen und dich nicht länger zurückzunehmen.

Sprich über all die Dinge, die du hinuntergeschluckt hast. Du bist wichtig und was du erfahren hast ist wichtig. Erlaube dir, kreativ zu sein und dich der Welt zu zeigen. Dich selbst neu zu entdecken. Was füllt dich wirklich aus? Versuche all die Unzufriedenheit und Selbstzweifel abzuwerfen – dann fällt es dir viel leichter, authentisch, fröhlich und locker zu sein. Sei nicht so streng mit dir und lege mehr Wert auf Qualität statt Quantität.

Umgib dich mit den Menschen & Dingen, die dir gut tun und dich auf deinem Weg bestärken. Du bist eine einzigartige Seele, die das Privileg hat, die Welt durch einen Körper zu erfahren. Sei dankbar, dass du dieses prachtvolle Instrument hast und mache dir bewusst, dass dein Körper dafür da ist, dich dein Leben erfahren zu lassen. Seine Aufgabe ist nicht, irgendwie auszusehen. Er ist perfekt so, wie er ist und er hat dich trotz deinem Kampf gegen ihn nie im Stich gelassen. Du bist ihm was schuldig also lasse Heilung zu. Dein Körper wird es dir tausendfach danken und währenddessen kannst du deine Seele wieder nähren.

Mehr zu mir und meiner Geschichte findest du auf meinem YouTube-Kanal und auf Instagram. Hier kannst du dir außerdem mein kostenfreies Webinar „In 6 Schritten aus der Essstörung“ ansehen: http://www.hellome-coaching.de/webinar

Noch mehr Hilfe?

Besuche den erfolgreichen Onlinekurs “deine Kampfansage” und trete damit automatisch unserer großen Recovery-Gemeinschaft bei. Motivation und Unterstützung bringt dich langfristig an dein Ziel zu einem unbeschwerten und glücklichen Leben:)

Gemeinsam machen wir dich stark!

Bis bald,

deine Dani von Recoverybuddy

4 Comments on Zunahme in der Recovery – 8 konkrete Tipps zum Überwinden der Angst

  • Melissa says:
    13. März 2019 at 10:43

    Hejhej, eine frage: ich habe schon etwas zugenommen durch die recovery. Nur momentan stecke ich fest. Ich halte mein Gewicht, verbiete mir aber immer noch vieles, esse unregelmäßig und habe dann essanfälle, wenn ich mir dann doch mal was erlaube. Ein ewiger Kreislauf gefühlt, vor allem da ich meinen Stoffwechsel wieder komplett durcheinander bringe. Meine Angst redet mir nur ein, dass wenn ich wieder normaler esse und mir alles erlaube, ich noch viel mehr zunehme. Wie stelle ich mir der Angst am besten? Denn sie wird sich erstmal bewahrheiten oder, da ich bestimmt wieder Extremhunger spüren werde🙈

    Antworten

    • Daniela Convertini says:
      13. März 2019 at 11:53

      Hallo liebe Melissa, vielen Dank für deinen Kommentar.
      Ich kenne diese Phase, man spricht von der „Quasi-Genesung“ und die kommt recht häufig vor, weil die vollständige Genesung immer wieder von Ängsten gestoppt wird.
      Die beste Waffe gegen Angst ist VERTRAUEN. Vertraue darauf, dass dein Körper weiß, was er braucht. Wenn er die Zunahme braucht, nimmt er zu, sobald er wieder kapiert hat, dass der Spuk vorbei ist, reguliert er das Körpergewicht wieder von alleine – wenn du ihn lässt! Das kann auch mal bis zu 2 Jahre dauern, daher hab Geduld und bleib liebevoll zu ihm!

      Wenn du die Hilfestellungen aus folgendem Artikel beachtest, verkürzt sich diese Phase und dein Stoffwechsel kommt schneller wieder in den Gang:
      https://recoverybuddy.de/saettigungsgefuehl-zurueck-bekommen-so-gehts/
      Vielleicht hilft es dir auch, etwas über meinen Gewichtsverlauf zu lesen:
      https://recoverybuddy.de/realistische-gewichtszunahme-nach-der-essstoerung/

      Ich hoffe, die Information hilft:)
      Herzliche Grüße, Dani<3

      Antworten

      • Melissa says:
        18. März 2019 at 10:38

        Hejhej, erstmal danke für deine schnelle Antwort! Ich möchte so gerne diese „quasi-recovery“ überwinden! Leider funktioniert es an manchen Tagen dass ich esse, und dann lass ich mich von meinen Gedanken wieder einspinnen. Dazu kommt, dass ich durch meinen Beruf keine richtig festen Pause Zeiten habe und nicht sagen kann: um 18 Uhr esse ich zu Abend. Ich möchte mich und meinen Körper so gerne akzeptieren, und vertrauen dass er sich sein Gewicht sucht und ich nicht übergewichtig werde! Stattdessen fühle ich mich ständig unwohl und esse mal viel und mal gar nicht. Das ständige auf und ab ist ja auch nicht gesund. Hast du einen Tipp wie man sich in dem Vertrauen übt, und isst auch wenn man „keine Zeit“ bzw „keinen Hunger“ oder auch ganz beliebt „ich weiß nicht was ich essen soll“ denkt?

        Antworten

        • Daniela Convertini says:
          18. März 2019 at 13:55

          Hallo Melissa,

          in solchen Fällen bin ich ja großer Fan von individuellen und flexiblen Essplänen, die zu deinem Alltag passen:) Ziel davon ist es, nicht mehr groß darüber nachdenken zu müssen, was, wann, wie viel. Solch ein Plan kann dich enorm entlasten. Vertrauen kommt nur, wenn du die Erfahrung machst und Positives mit dem Essen verbindest.

          Wenn du magst, kann ich mit dir so einen Plan erstellen. Mein Angebot dazu findest du hier: https://www.recoverybuddy.de/coaching/

          Ich hoffe, die Information hilft!
          Herzliche Grüße,

          Daniela

          Antworten

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